Arbeitgeber hinhalten: Wie es richtig geht

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Arbeitgeber tun es, Bewerber tun es, auch Menschen auf Partnersuche tun es: Den anderen hinhalten. Das ist oft unangenehm, kann aber gute Gründe haben. Wenn ein Bewerber mehrere Ässe im Ärmel hat und nicht das erstbeste Angebot annehmen will, muss er wohl oder übel Zeit schinden. Den Arbeitgeber hinhalten – dafür gibt es mehr als einen Weg…

Arbeitgeber hinhalten: Manchmal muss es sein

Es ist eine Luxussituation. Aber eine, in der man sich sehr unwohl fühlt. Stellen Sie sich vor, sie haben mehrere Zusagen zu Vorstellungsgesprächen. Das erste Jobinterview führen Sie bei einem mittleren Unternehmen, das in Ihrer persönlichen Hitliste relativ weit unten rangiert.

Das Gespräch läuft gut, Ihr Selbstvertrauen ist frisch gestärkt. Kurz nach dem Termin kommt auch schon die Zusage seitens der Firma: „Herzlichen Glückwunsch, Sie haben den Job!“ Eine tolle Nachricht, über die Sie sich bestimmt freuen – und die Ihnen schmeichelt.

Allerdings würden Sie dennoch die anderen Gespräche gerne noch wahrnehmen – und erst danach entscheiden. Die mutmaßlich besseren Unternehmen kommen schließlich noch. Was tun? Karrieresprung hätte da folgende Vorschläge für Sie…

Arbeitgeber hinhalten: Diese 3 Optionen haben Sie

  1. Zusage

    Auf die Zusage des Unternehmens reagieren Sie… mit einer Zusage. Sie nehmen den Job an und bedanken sich ganz herzlich bei der Personalabteilung des Unternehmens.

    Dann dauert es ein paar Tage, bis der Arbeitsvertrag bei Ihnen eintrifft. Jetzt können Sie weitere Zeit schinden, indem Sie den Arbeitsvertrag bis auf Weiteres liegen lassen. Falls Ihr zweites Vorstellungsgespräch zeitnah terminiert ist, reicht diese Taktik vielleicht schon aus.

    Wenn nicht, dann kündigen Sie den Vertrag noch vor Ihrem Antrittsdatum. Außerdem hätten Sie in der Probezeit ja noch die Möglichkeit, ohne Angabe von Gründen wieder zu kündigen. Meist beträgt die Kündigungsfrist zwei Wochen.

    Das können Sie machen – sollten Sie aber nur im Notfall tun. Denn so hinterlassen Sie verbrannte Erde. Ihr neuer alter Arbeitgeber ist über dieses Vorgehen bestimmt not amused. Wahrscheinlich wird er sogar hochgradig erzürnt sein – nachvollziehbar!

    Eine positive Referenz, einen wertvollen Kontakt oder eine Möglichkeit auf Rückkehr können Sie sich dann abschminken. Die Taktik ist vor allem riskant, wenn die Branche, in der Sie sich bewegen, sehr überschaubar ist. Erstens spricht sich so etwas schnell herum, zweitens ist die Anzahl an potenziellen Arbeitgebern begrenzt.

  2. Anruf

    Das ist die ehrlichste Variante. Aber ob es auch die erfolgversprechendste ist?

    Sie rufen im Unternehmen an und teilen ganz höflich mit, dass Sie sich für die Zusage bedanken und auch sehr gerne einschlagen würden. Aber auch, dass Sie noch weitere Vorstellungsgespräche vor der Brust haben und diese gerne wahrnehmen würden. Und dann bitten Sie noch um etwas Bedenkzeit für Ihre Entscheidung. Ein gutes, faires Vorgehen – das sich aber rächen könnte.

    Zum Beispiel dann, wenn die kommenden Jobinterviews mies laufen. Und wenn es letztlich bei dieser einen Zusage bleibt, der Arbeitgeber aber so in seiner Eitelkeit verletzt ist, dass er sein Angebot zurücknimmt. Dann stehen Sie mit leeren Händen da. Allerdings gibt es viele Arbeitgeber, die für Ihr Vorgehen sehr wohl Verständnis hätten.

    Die Variante bietet sich an, wenn sie Ihre erste Zusage ohnehin nur als Notnagel sehen und im Zweifel darauf verzichten können. Spielen Sie das am besten mit einem Wenn-dann-Szenario durch. Wenn ich keine weiteren Angebote bekomme und die erste Zusage auch noch zurückgenommen würde, was dann? Wäre dies eine Katastrophe? Ist die Antwort nein, gehen Sie ins Risiko.

  3. Hinauszögern

    Die gute alte Hinhaltetaktik: Sie schinden bei jeder sich bietenden Gelegenheit Zeit. Auf die Zusage des Arbeitgebers melden Sie sich erst Tage später. Mit dem Hinweis, dass Sie verreist oder erkrankt waren.

    Sie nehmen den Job auch noch gar nicht an, sondern tun nur so, als ob. Motto: „Wow, das freut mich sehr! Vielen, vielen Dank!“ Vielleicht mailen Sie dann noch ein paar Mal mit dem Personalbüro hin und her, bevor Ihnen der Arbeitsvertrag zugeschickt werden soll.

    Wenn dieser bei Ihnen zuhause eintrudelt, können Sie wieder Zeit schinden. Sobald sich das Personalbüro bei Ihnen meldet, wo denn der Vertrag bleibt, gaukeln Sie vor, Sie hätten ihn längst unterschrieben und zurückgeschickt. „Der muss unterwegs verloren gegangen sein!“ Und schon haben Sie wieder zeitlichen Spielraum…

    Klar, diese Taktik ist vor allem eins: unehrlich. Und spätestens wenn Sie doch noch absagen, durchschaut das Unternehmen Ihre Strategie. Das wird Ihnen keine neuen Freunde bringen. Außerdem kann es sein, dass der Arbeitgeber schon nach kurzer Zeit spürt, dass etwas im Busch ist und Sie nicht so richtig wollen – und seinerseits absagt.

Warum die Hinhaltetaktik eine Gratwanderung ist

Was Sie stets bedenken sollten: Eine mündliche Zusage des Arbeitgebers ist rechtlich wertlos. Erst wenn Sie den unterschriebenen Arbeitsvertrag auf dem Tisch haben und ebenfalls unterschreiben, ist der Deal besiegelt. Der Arbeitgeber hat bis dahin ebenfalls die Möglichkeit, jederzeit wieder von seinem Angebot zurückzutreten.

Und davon wird er mit ungleich höherer Wahrscheinlichkeit Gebrauch machen, wenn er das Gefühl hat, dass Sie ihn hinhalten. Die Hinhaltetaktik ist also riskant. Und auch auf eine gewährte Bedenkzeit können Sie ihn nicht festnageln. Läuft ihm in der Zwischenzeit ein anderer Bewerber über den Weg, kann ihn der Arbeitgeber einstellen und Ihnen vorziehen. Bei der Bedenkzeit handelt es sich um reine Kulanz ohne rechtlichen Anspruch.

Das ist aber auch eine Chance für Sie. Bevor der Arbeitsvertrag nicht bei Ihnen eintrifft, können Sie weitere Vorstellungsgespräch wahrnehmen und mit anderen Unternehmen verhandeln. Ohnehin sollten Sie diesen Zwischenzeitraum nutzen, um über die genauen Vertragsmodalitäten zu verhandeln. Verhandlungsmasse gibt es viel: Gehalt, Urlaubstage, geldwerte Vorteile, Benefits usw. Das hilft Ihnen bei der Entscheidungsfindung – und es nimmt Zeit in Anspruch. Bleiben sie aber stets höflich und realistisch – und überziehen Sie nicht nach dem Motto: „Wenn Sie mir dies und das nicht gewähren, nehme ich einen andere Stelle an.“ Überheblichkeit überkommt gerne diejenigen, die mehrere Optionen auf dem Tisch haben – oder glauben, diese zu haben.

Grundsätzlich können Sie die Hinhaltetaktik nicht ewig fahren. Irgendwann müssen die Karten auf den Tisch. Das sind Sie auch dem Unternehmen schuldig, das seine Stelle ja irgendwann irgendwie besetzen will und muss.

Und: Je besser Ihre Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt sind, desto ehrlicher und offener können sie agieren. Das spräche also für Variante 2, den ehrlichen Anruf. Beispiel Softwareentwickler: Sie sind auf dem Jobmarkt momentan so begehrt, dass kaum ein Arbeitgeber einen vom Hof jagen wird, wenn er ihm sagt, dass er erst noch andere Bewerbungsgespräche wahrnehmen möchten. Im Gegenteil, die Chancen stehen ganz gut, dass das Unternehmen sein Angebot noch mal erhöht oder andere Benefits offeriert, um ihm die Stelle schmackhaft zu machen.

In Branchen wiederum, in denen es einen Bewerber-Überschuss gibt – zum Beispiel im Medienbereich – könnte diese Strategie nach hinten losgehen. Auch große Unternehmen können aus einem riesigen Fundus an Bewerbern wählen. Diese Parameter beziehen Sie besser mit ein…

Hinhalten: Auch Unternehmen tun es

Das Phänomen des Hinhaltens läuft natürlich auch in die entgegengesetzte Richtung. Wenn also Unternehmen einen Bewerber hinhalten, weil sie ihn nicht verlieren, aber sich noch andere Kandidaten anschauen wollen. Das nennt sich Benching.

Wenn Sie das nicht hinnehmen wollen, fragen Sie sich zwei Wochen nach dem Bewerbungsgespräch höflich nach dem aktuellen Stand. Und stellen Sie Ihre Jobsuche nicht ein, sondern erst dann, wenn Sie einen Arbeitsvertrag unterschrieben haben.

Allerdings kann Benching auch ein gutes Zeichen sein – und darauf hindeuten, dass Sie noch im Rennen sind…

Strategien: Es gibt noch eine vierte!

Arbeitgeber hinhalten OptionEine haben wir doch glatt vergessen: Option Nr. 4. Die lautet: Absagen!

Natürlich ist auch das eine Möglichkeit. Wenn Ihnen das Angebot nicht zusagt, können Sie es auch sofort verwerfen – und sind fortan wieder frei für andere Offerten. Arbeitgeber hinhalten? Überflüssig.

Eine sofortige Zusage des Arbeitgebers kann der Bewerber ja auch als Verzweiflung interpretieren: „Da scheint jemand große Probleme zu haben, neue Mitarbeiter zu bekommen und nimmt einfach alle, die er kriegen kann. Woran liegt das? Was stimmt nicht mit ihm?“ Schließlich erwartet man von seinem künftigen Arbeitgeber ja durchaus Sorgfalt und eine gründliche Auslese. Und die beansprucht doch Zeit. Vielleicht ein Hinweis, dem noch mal nachzugehen – durch eine Internet-Recherche beispielsweise.

Auf der anderen Seite kann das Unternehmen auch einfach sehr überzeugt von Ihnen gewesen sein – dann müssten Sie die Sofort-Zusage als großes Kompliment verstehen. Hier ist also das berühmte Fingerspitzengefühl und Urteilsvermögen gefragt.

Fest steht nur: Wer keine Lust darauf hat, den Arbeitgeber hinzuhalten, der kann auch einfach absagen.

[Bildnachweis: Tony Stock by Shutterstock.com]

Jobsuche ab 50: Wie Sie fündig werden

jobsuche ab 50

Arbeitgeber stehen auf junges Fleisch. Das ist auch gar nicht weiter verwunderlich. Junge sind motiviert, dynamisch und vergleichsweise günstig. Aber: The times, they are a-changin‘. Vorbei die Zeiten, in den Arbeitnehmer ab 50 schon halbtags an die Rente dachten. In Wahrheit war es wohl noch nie so leicht wie heute, als Angehöriger der Ü50-Fraktion einen neuen Job zu finden. Jobsuche ab 50: Hier geht’s zur Traumstelle…

Jobsuche ab 50: Nicht so einfach!

Aus Arbeitgebersicht spricht tatsächlich einiges dafür, jüngeren Bewerbern den Vorzug zu geben. Sie kommen frisch von der Schule oder Uni, sind voller Tatendrang – und nicht so teuer. Auch kann sie der Arbeitgeber noch formen, ihr Entwicklungsspielraum ist groß.

Was gegen Ü50-Arbeitnehmer spricht:

  • Sie kennen ihre Rechte und Pflichten ganz genau und lassen sich nichts mehr sagen. Speziell bei jüngeren Vorgesetzten könnte dies zu Autoritätsproblemen führen.
  • Ältere sind – so das Vorurteil – unflexibel und können sich nur schwer neuen Gegebenheiten anpassen. Der sich rasant wandelnde Arbeitsmarkt erfordert aber geistige – und manchmal auch körperliche – Flexibilität. Bisweilen befinden sich die Skills älterer Bewerber zudem nicht mehr auf dem neuesten Stand.
  • Die Generation 50+ ist nicht dafür bekannt, aus Digital Natives zu bestehen. Gerade IT-Kenntnisse aber sind eine Schlüsselkompetenz der Gegenwart – und der Zukunft. Viele neue Jobs entstehen im IT-Bereich.
  • Ältere sind krankheitsanfällig und drohen daher häufig auszufallen – manchmal auch für einen längeren Zeitraum. Dies verursacht neue Anstrengungen und Kosten. Eine Ersatzkraft muss vom Unternehmen rekrutiert und eingearbeitet werden. Mit einem jüngeren Mitarbeiter wäre das vielleicht nicht notwendig.
  • Sie sind teuer. Berufserfahrung bringt überdurchschnittliche Gehaltsvorstellungen mit sich. Das Senioritätsprinzip ist auf dem deutschen Arbeitsmarkt noch immer stark ausgeprägt. Wer lange dabei ist und über viel Erfahrung verfügt, verdient auch mehr – manchmal zu viel.

Das alles macht klar: Menschen ab 50 haben Nachteile bei der Jobsuche. Derer sollten sie sich bewusst sein. Darum fliegen viele von ihnen schon in den ersten Bewerbungsrunden raus, obwohl die Qualifikationen formell ausreichen.

Die Argumente gegen Ältere sollte man zumindest anerkennen und nicht einfach beiseite wischen. Nach dem Motto: „Pah, die geben uns einfach keine Chance!“ Versetzen Sie sich in den Arbeitgeber hinein: Wen würden Sie einstellen – den günstigen Jungen oder den teuren Alten?

Aber bevor Sie empört aufschreien: Natürlich gibt es auch sehr viele Argumente, die FÜR Ü50-Arbeitnehmer sprechen. Und immer mehr Arbeitgeber sehen diese auch. Auch der demographische Wandel trägt sein Scherflein dazu bei. Alles in allem steigen die Beschäftigungschancen von Älteren von Jahr zu Jahr…

Jobs ab 50: Darum sind sie wichtig

Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Wir schreiben zwar von Älteren, aber mit 50 Jahren ist man eher im Bereich „mittelalt“ angesiedelt – oder „mitteljung“, ganz wie Sie wollen. Vom Regelrentenalter ist man jedenfalls noch weit entfernt.

Aus finanziellen Erwägungen ist es für die meisten schlicht eine Notwendigkeit, mit 50 , 55 oder 60 Jahren zu arbeiten. Der Kühlschrank will gefüllt, Kredite wollen abbezahlt und wertvolle Rentenpunkte gesammelt werden. Viele Menschen können ihren Lebensstandard im Alter nicht halten – umso wichtiger ist es, bis dahin einen guten Job zu haben und vorsorgen zu können.

Dies gilt speziell für Frauen, die nach einer Untersuchung der Unis Mannheim und Tilburg im Schnitt rund ein Viertel weniger Rente erhalten als Männer.

Aber selbst wenn Sie Ihre Schafe schon im Trockenen haben, lautet unser Rat: Hören Sie lieber nicht auf zu arbeiten. Ein Job bringt Struktur in den Alltag, eine Aufgabe, hält geistig fit und erhält soziale Kontakte zu Kollegen. Das alles sind Aspekte, die viele Rentner erst im Ruhestand zu schätzen wissen.

Manche nutzen die späte Phase im Arbeitsleben auch, um noch einmal ganz neu durchzustarten. Sie machen sich als Berater selbstständig oder gründen noch einmal ganz neu. Darüber sollten Sie zumindest einmal nachdenken…

Jobsuche mit 50: Warum sie immer leichter wird

Immer mehr Ältere arbeiten. Von 2007 bis 2017 ist die Erwerbsquote der 55- bis 60-Jährigen laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit um acht Prozent auf 82,6 Prozent gestiegen. Noch steiler war der Anstieg bei den 60- bis 65-Jährigen im gleichen Zeitraum – um 24,7 Prozent auf 60,8 Prozent.

Eine große Rolle spielt natürlich das Rentenalter, das seit 2012 schrittweise angehoben wird. Darum steigt auch die Erwerbsquote der Über-65-Jährigen. Von ihnen arbeiten immerhin schon sieben Prozent.

Damit sind in Deutschland mittlerweile 5,9 Millionen Menschen zwischen 55 und 65 Jahren sozialversicherungspflichtig beschäftigt – 2,7 Millionen bzw. 87 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor. Gleichzeitig ist die Arbeitslosenquote in dieser Altersgruppe von 9,0 Prozent im Jahr 2007 auf 6,3 Prozent im Jahr 2017 zurückgegangen. Die höchsten Anteile älterer Beschäftigter gibt es in der öffentlichen Verwaltung, der Energiebranche, in Erziehung und Unterricht, im Pflege- und Sozialwesen, verarbeitenden Gewerbe und Verkehrswesen.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Wohl noch nie war es so einfach wie heute, als Ü50er eine Arbeit zu finden. Den richtigen Job muss man aber natürlich erst finden – oder behalten. Manche sind im fortgeschrittenen Alter weiterhin als Beamte tätig, andere selbstständig, die meisten aber angestellt. Die 55- bis 65-Jährigen sind nach Angaben des Statistischen Bundesamtes so verteilt:

  • 57 Prozent: Angestellte, Arbeiter, Auszubildende
  • 27 Prozent: Nichterwerbspersonen
  • 9 Prozent: Selbstständig, mithelfende Familienangehörige
  • 4 Prozent: Beamte
  • 2 Prozent: Erwerbslose

Jobsuche über 50: Wo liegen Ihre Stärken?

Über die Argumente gegen Ältere haben wir am Anfang schon gesprochen. Darum sollten Sie in der Bewerbung Ihre Stärken betonen. Davon gibt es wahrscheinlich sehr viele, zum Beispiel diese:

  • Erfahrung

    Ältere Menschen verfügen über einen Erfahrungsschatz, den Jüngere nicht haben. Sie haben Herausforderungen und Krisen gemeistert, Erfolge gefeiert, sind nach Niederlagen wieder aufgestanden. Die Erfahrungen helfen Ihnen bei der Jobsuche oder der Berufsorientierung. Sie wissen, was Sie können und was Sie wollen, können sich selbst sehr gut einschätzen. Junge dagegen sind oft noch auf Sinnsuche – und auf der Suche nach der eigenen Identität.

  • Energie

    Das klingt erstmal paradox, denn es sind doch die Jungen, die vor Energie nur so strotzen, oder? Ja, schon. Aber sehen Sie es mal so: Mit 30 oder 40 beginnt für viele die Rush Hour des Lebens. Sie bauen ein Haus, gründen eine Familie, pflegen manchmal ihre Eltern und haben darüber hinaus noch einen anstrengenden Job. Das alles haben sie mit 50 oder 55 (oft) schon komplett hinter sich. Das Haus ist (hoffentlich) abbezahlt, die Kinder (mit einem Bein) aus dem Haus. Da bleibt mehr Energie für den Job übrig. Das dürfen Sie dem Arbeitgeber im Jobinterview ruhig so sagen!

  • Reputation

    Im Laufe Ihres Berufslebens haben Sie schon einige Referenzen sammeln können. Sie haben ein verzweigtes Netzwerk, kennen hier und da Leute, haben viele Kontakte im Notizblock. Und Sie haben auch längst keine Hemmungen mehr, diese wieder nutzbar zu machen. Präsentieren Sie dem Arbeitgeber in spé Ihre Erfolge – selbstbewusst, aber ohne zu prahlen. Dann weiß er, was er an ihnen hat oder hätte. Mit einem blutjungen Bewerber kauft er dagegen die Katze im Sack.

  • Klarheit

    Mit Blabla kann man heutzutage weit kommen – durchs Abitur oder in die TV-Talkshow. Viele reden um den heißen Brei herum oder wissen selbst gar nicht, was sie da eigentlich sagen. Als semi-alter Mensch haben Sie klare Vorstellungen. Sie können konkret benennen, was Sie können, was Sie wollen, was Sie nicht mögen, wie Sie arbeiten, was man von Ihnen erwarten kann. Das sind meine Stärken, das sind meine Interessen, das sind meine Werte. Mit klaren Ansagen können Personaler arbeiten. Wenn sich Ihre Vorstellungen mit denen des Unternehmens decken, finden Sie zusammen.

  • Arbeitsethos

    Arbeitsethos – ein Begriff aus einer untergehenden Welt. Die jungen Generationen können nur wenig damit anfangen. Work-Life-Balance, Selbstverwirklichung und Sabbaticals haben sich an die Stelle harter Arbeit gedrängt. Viele Unternehmen wären bestimmt mal wieder ganz froh über Bewerber, die dazu bereit sind, sich ihren Allerwertesten aufreißen, weil sie für ihr Gehalt eine Gegenleistung erbringen wollen. Gehören Sie zufällig dazu? Dann werfen Sie das Argument gerne mal ein. „Ich glaube an harte, ehrliche Arbeit und habe das mein Leben lang so gehalten.“ Wow! Das könnte im Bewerbungsprozedere sogar Ihr Alleinstellungsmerkmal werden.

Jobsuche: 5 Tipps für Ältere

Was Ihnen bei der Jobsuche ab 50 weiterhilft:

  1. Selbstvertrauen

    Sie haben Lebenserfahrung. Sie haben Berufserfahrung. Sie stehen mit beiden Beinen im Leben. Sie haben schon etwas geleistet. Kein Grund also, mit gebeugtem Haupt durch die Lande zu ziehen. Gehen Sie selbstbewusst in die Bewerbungsrunde. Dass Sie wegen Ihres Alters keine Chance hätten, mag im Einzelfall stimmen – aber die Einzelfälle werden immer weniger.

  2. Schlüsselqualifikationen

    Dass Sie nicht die Programmiersprache Python beherrschen – geschenkt! Aber ein wenig sollten bzw. müssen Sie dem Zeitgeist in Ihrer Bewerbung schon Folge leisten. Das bedeutet, dass Sie nicht Qualifikationen und Kompetenzen nennen, die absolut aus der Zeit gefallen sind. Ein Softwareentwickler, der mit der Programmiersprache Basic prahlt, wird nicht für voll genommen. Sie können sich auch privat weiterbilden und wichtige IT-Tools autodidaktisch aneignen oder über Online-Kurse. Ihr Lebenslauf sollte jedenfalls nicht so aussehen, als ob er vor dem Krieg verfasst worden wäre.

  3. Sorgfalt

    Professionalität sollte Ihr Markenzeichen als Bewerber sein. In der Bewerbung können Sie zeigen, dass Sie Ihren jüngeren Konkurrenten voraus sind. Indem Sie die Bewerbung gut strukturieren, die richtigen Schwerpunkte setzen, Wichtiges von Unwichtigem trennen. Wenn sie blitzsaubere Unterlagen erstellen und dann noch gekonnt per Mail versenden bzw. in das Online-Bewerbersystem einpflegen, weiß der Empfänger, dass Sie auf Zack sind. Aber hüten Sie sich davor, Ihren Lebenslauf und das Anschreiben mit allen Stationen zu überladen. Selektieren! Sie können auch gerne einen Bewerbungscoach zu Rate ziehen.

  4. Courage

    Keine Ausreden mehr! Ältere Beschäftigte haben heute Möglichkeiten, die sie vor zehn oder 20 Jahren noch nicht hatten. Das schließt Jobchancen in Großkonzernen mit ein oder in internationalen Unternehmen. Sie dürfen auch kreativ werden und als Quereinsteiger ganz neue Pfade einschlagen. Warum nicht per Praktikum herausfinden, ob Ihnen die Branche liegt? Oder warum nicht in einem Startup bewerben? Startups gelten doch als offen. Zeigen Sie den Jungspunden, dass Diversity dem Team gut tun würde. Oder bewerben Sie sich in einer völlig neuen Stadt oder Region, wenn Sie darauf Lust haben. Allein dieser Schritt zeugt schon von Mut und Veränderungsbereitschaft – das kommt bei Arbeitgebern gut an.

  5. Networking

    Wer viele Leute kennt, hat einen großen Vorteil. Er kann sein Netzwerk bei Bedarf aktivieren. Das ist speziell bei der Jobsuche immer ein Faktor. Noch immer werden viele Stellen über Vitamin B vergeben. Heute gibt es dafür viele Tools im Internet: Xing und Linkedin vor allem. Wenn Sie noch keine Business-Profile haben, legen Sie sich welche an und versuchen Sie, Ihr Netzwerk Schritt für Schritt zu vergrößern. Sie werden sehen, welche Wunder das wirkt…

[Bildnachweis: wavebreakmedia by Shutterstock.com]

Bewerbung Eintrittstermin: So formulieren Sie ihn

Bewerbung Eintrittstermin

Einen besseren Job wollen sie alle. Aber nicht unbedingt jetzt und hier. Manchmal kommen Sie aus Ihrem aktuellen Arbeitsverhältnis nicht schnell genug heraus, oder Sie wollen noch einen Monat Urlaub zwischen sich und die neue Stelle schieben. Vom frühestmöglichen Eintrittstermin, den Sie in Ihrer Bewerbung nennen, hängt grundsätzlich eine Menge ab. Aber sollen Sie ihn überhaupt angeben? Oder dezent verschweigen? Und wie formuliert man ihn am besten? Bewerbung Eintrittstermin: So finden Sie die richtige Lösung…

Bewerbung Eintrittstermin: Warum er wichtig ist

Erfahrene Arbeitnehmer wissen: Wer sich aus einem ungekündigten Arbeitsverhältnis heraus bewirbt, hat eine komfortable Situation. Das Gehalt fließt weiter, der Zeitdruck hält sich in Grenzen. Es gibt nur ein kleines Problem: Ihr Arbeitsvertrag enthält mit großer Wahrscheinlichkeit eine Kündigungsfrist.

Sie können also nicht heute kündigen und morgen schon beim neuen Arbeitgeber anfangen. Besteht ihr Noch-Unternehmen auf sein vertragliches Recht, müssen Sie womöglich noch drei bis sechs Monate zur Arbeit erscheinen.

Lange Kündigungsfristen haben Vor- und Nachteile.

  • Sie dienen als Sicherheitsnetz und schützen vor plötzlicher Arbeitslosigkeit.
  • Auf der anderen Seite erschweren sie einen zügigen Stellenwechsel, was Sie Zeit und Geld kosten kann.

Das Schlimme daran: Manche Arbeitgeber brauchen jetzt sofort Verstärkung, nicht erst in drei Monaten. Denkbar also, dass Sie den Job alleine wegen Ihrer langen Kündigungsfrist nicht bekommen. Ärgerlich!

Es gibt aber noch einen möglichen Kompromiss – in Form eines Aufhebungsvertrags. Über einen Aufhebungsvertrag kommen sie schneller aus Ihrem Arbeitsverhältnis. Aber nur, wenn Ihr Chef mitspielt. Weigert er sich, bleiben sie in der Regel im Vertrag sitzen.

Selbst in diesem Szenario sollten Sie aber nicht Ihren Rauswurf provozieren. Das schadet Ihnen mehr, als dass es nützt. Es beschädigt Ihre Reputation – nach innen und nach außen. Es kann Ihnen zudem ein schlechteres Arbeitszeugnis bescheren und den Argwohn anderer Unternehmen auf sich ziehen. Nach dem Motto: Mit so einem Typen wollen wir gar nicht erst zusammenarbeiten.

Eintrittstermin sofort: Das kann problematisch werden!

Grundsätzlich gilt: Verlangt das Unternehmen in der Stellenanzeige die Angabe eines frühestmöglichen Eintrittstermins, sollten Sie es in Ihrer Bewerbung auch nennen. Es scheint für das Unternehmen ein wichtiges Kriterium zu sein – und darauf sollten Sie als Bewerber eingehen.

Aber: Sucht der Arbeitgeber ausdrücklich eine Verstärkung „ab sofort“, Sie sind aber noch eine Zeitlang in Ihrem aktuellen Vertrag gebunden, dann bedeutet das nicht, dass Ihre Chancen bei Null liegen. Na klar, wenn Sie erst in einem halben Jahr anfangen können, das Unternehmen aber schon heute unter personellem Druck steht, dann ist die Stelle wahrscheinlich weg.

Rufen Sie in dem Fall einfach mal in der Personalabteilung an und fragen, ob eine Bewerbung unter diesen Umständen Sinn macht. Bei der Gelegenheit können Sie auch gleich erwähnen, dass Sie alles versuchen wollen, um doch noch früher aus Ihrem Vertrag zu kommen. Motivation zeigen! Empfangen Sie positive Signale, können Sie es versuchen. Wenn nicht, dann macht eine Bewerbung wohl keinen Sinn. Die Zeit und Energie investieren Sie dann besser anderweitig.

Wenn Sie eine Initiativbewerbung oder Blindbewerbung verschicken, ist die Situation wiederum eine ganz andere. In dem Fall gibt es gute Argumente dafür, in der Bewerbung einen Eintrittstermin zu nennen. Es gibt aber auch gute Argumente, die dagegen sprechen…

Vorsicht: Wettbewerbsverbot!

Bewerbung Eintrittstermin WettbewerbsverbotViele Arbeitsverträge enthalten eine sogenannte Wettbewerbsklausel. Diese verbietet es dem Arbeitnehmer, für einen festgelegten Zeitraum nach Ende seines Arbeitsverhältnisses bei dessen direkten Konkurrenten anzuheuern.

Aus Arbeitgebersicht verständlich: Wertvolles Fachwissen und Knowhow soll nicht in die Hände des Feindes geraten. Womöglich nimmt der Arbeitgeber sogar noch Kunden mit. Das soll unter allen Umständen verhindert werden.

Arbeitnehmer müssen eine solche Wettbewerbsklausel mitunter akzeptieren, obwohl sie ihnen nur Nachteile bringt. Aber nicht immer. Manche Wettbewerbsklauseln sind unwirksam und halten einer Klage nicht stand. Das sollten Sie aber im Einzelfall unbedingt mit einem Fachanwalt für Arbeitsrecht klären.

Und noch ein Tipp: Das Wettbewerbsverbot können Sie als Verhandlungsmasse in die Vertragsverhandlungen einbringen. Ich biete dir, lieber Arbeitgeber, dieses und jenes, du streichst mir dafür die Wettbewerbsklausel. Gerade nachgefragte Fachkräfte haben in Verhandlungen größeren Spielraum – und können es sich erlauben, die Streichung der Klausel offensiv einzufordern.

Pro: Darum sollten Sie einen Bewerbung Eintrittstermin nennen

Das sind die Gründe, die dafür sprechen, den Eintrittstermin in einer Initiativbewerbung zu nennen:

  • Sie geben dem Unternehmen Planungssicherheit. Und es kann gleichzeitig auf Ihre Interessen und Fristen Rücksicht nehmen.
  • Es verleiht Ihnen Spielraum. Sie können in Ruhe die Kündigung und Übergabe bei Ihrem derzeitigen Arbeitgeber vorbereiten.
  • Sie benennen einen konkreten Vorteil gegenüber anderen Bewerbern – vorausgesetzt, Ihr frühestmöglicher Eintrittstermin liegt nicht so weit in der Zukunft.

Contra: Darum sollten Sie keinen Bewerbung Eintrittstermin nennen

Das sind die Gründe, die dagegen sprechen, den Eintrittstermin in einer Initiativbewerbung zu nennen:

  • Sie sind nicht dazu verpflichtet, einen Eintrittstermin zu nennen. Im Worst Case locken Sie den Arbeitgeber nur auf eine falsche Fährte und reduzieren dadurch Ihre eigenen Einstellungschancen.
  • Vielleicht ist Ihr frühestmöglicher Eintrittstermin ein Nachteil gegenüber anderen Bewerbern – vor allem dann, wenn er vergleichsweise weit in der Zukunft liegt.
  • Auf der anderen Seite kann sogar ein früher Eintrittstermin zum Nachteil werden. Er lässt sie bedürftig bis verzweifelt wirken. Auf Ihre Verhandlungsposition wirkt sich das nicht positiv aus.

Das sollten Sie bedenken: Was Ihrem potenziellen Arbeitgeber auf den ersten Blick gut gefallen dürfte, könnte auf den zweiten Misstrauen in ihm auslösen. Wenn sie einen Satz schreiben wie: „Ich kann sofort bei Ihnen anfangen“. Oder: „Ab sofort stehe ich Ihnen für eine Beschäftigungsaufnahme zur Verfügung.“ Oder: „Ich bin auf der Stelle einsatzbereit.“ Oder gar: „Wenn ich könnte, würde ich noch heute bei Ihnen anfangen.“

Klingt das gut für Sie? Ja schon, aber… Es sendet zugleich Signale, die Sie nicht aussenden wollen. Nämlich die, dass Sie unbedingt eine neue Stelle wollen und brauchen – jetzt sofort. Dass Sie verzweifelt sind, dass Ihnen die Alternativen fehlen, dass Sie vielleicht schon sehr lange erfolglos auf Jobsuche sind. Und dass Sie aktuell keine Arbeit haben. Warum eigentlich nicht? Kurzum: Den Eindruck, dass Sie ein hochqualifizierter Leistungsträger sind oder zu der seltenen Spezies Fachkraft gehören, erwecken Sie so nicht. Im Gegenteil.

Unser Tipp: Nennen Sie stets ein konkretes Datum als möglichen Eintrittstermin. Das kann auch der 1. des kommenden Monats sein. Hauptsache, Sie schreiben nicht, dass Sie „sofort“ anfangen können. Sie können auch einen Monat draufschlagen (wenn Sie sich das finanziell erlauben können).

Oder Sie geben nicht den „frühestmöglichen Eintrittstermin“ an, sondern Ihren „Wunschtermin“. Allein dieser Ausdruck nimmt schon den Bedürftigkeitscharakter weg und macht aus Ihnen den Steuermann, der alles unter Kontrolle hat. Sollte der Arbeitgeber bei Ihnen nachhaken, ob Sie nicht doch früher anfangen können, können Sie immer noch zusagen – das macht Sie gleich viel attraktiver.

Bewerbung Eintrittstermin: Wie Sie ihn formulieren

Wenn Sie sich in einem ungekündigten, unbefristeten Arbeitsverhältnis befinden:

  • Ich befinde mich derzeit in einem ungekündigten Beschäftigungsverhältnis und könnte daher bei Ihnen frühestens am 01.01.2020 anfangen.
  • Ich stehe Ihnen aufgrund meiner Kündigungsfrist gerne, aber frühestens aber dem 01.06.2020 zur Verfügung.
  • Zum 01.09.2020 nehme ich sehr gerne eine Beschäftigung bei Ihnen auf. Momentan befinde ich mich in einem ungekündigten Beschäftigungsverhältnis.

Wenn Sie sich in der Ausbildung oder im Studium befinden:

  • Voraussichtlich werde ich meine Ausbildung am 01.06.2020 abschließen. Gerne stehe ich Ihnen unmittelbar danach zur Verfügung.
  • Mein Studium werde ich voraussichtlich am 01.04.2020 erfolgreich beenden. Im Anschluss würde ich sehr gerne bei Ihnen anfangen.
  • Nach meinem erfolgreichen Abschluss an der Universität Entenhausen fange ich sehr gerne sofort bei Ihnen an. Voraussichtlich werde ich noch bis zum 01.12.2020 studieren.

Wenn Sie sich in einem befristeten Arbeitsverhältnis befinden:

  • Mein aktuelles Beschäftigungsverhältnis endet regulär am 01.02.2020. Im Anschluss könnte ich sofort bei Ihnen anfangen.
  • Nach dem regulären Ende meines jetzigen Arbeitsverhältnisses am 01.03.2020 könnte ich direkt bei Ihnen anfangen.
  • Mein frühester Eintrittstermin ist der 01.07.2020. Dann endet mein aktueller Arbeitsvertrag, der von vornherein wegen einer Mutterschaftsvertretung auf ein Jahr befristet war.

Wenn Ihnen gekündigt wurde:

  • Ich stehe Ihnen ab dem 01.01.2020 oder früher zur Verfügung, da ich momentan selbstständig bin.
  • Ein kurzfristiger Einstieg ist möglich, da ich vertraglich derzeit nicht gebunden bin.
  • Ich würde sehr gerne zu meinem Wunschtermin am 01.02.2020 bei Ihnen anfangen. Ein früherer Eintritt ist möglich.
[Bildnachweis: Andrey_Popov by Shutterstock.com]

Lebenslauf Checkliste: Alle Tipps im Überblick

Lebenslauf Checkliste

Der Lebenslauf fasst Ihr ganzes (bisheriges) Leben zusammen. Da kommt einiges zusammen an Schulen, Noten, Abschlüssen, Stationen, Hobbys. Doch sind nicht alle Infos über Ihre Vita für den künftigen Arbeitgeber interessant. Wenn Sie Ihren Lebenslauf erstellen, sollten Sie gründlich und großzügig aussieben. Und es kommt nicht nur auf den Inhalt an. Layout, Abstände, Schriftart und Schriftgröße, am Ende die Unterschrift nicht vergessen! Damit Sie den Überblick behalten, hat Karrieresprung alle wichtigen Tipps zum Lebenslauf zusammengefasst. Lebenslauf Checkliste: Woran Sie denken müssen – und was Sie vergessen können…

Lebenslauf Checkliste: Das gehört hinein

Der Vorteil des Lebenslaufs ist: Sie verfassen ihn einmal und können ihn dann tausendfach mit all Ihren Bewerbungen rausschicken, richtig? Falsch!

Natürlich ändert sich in ein paar Monaten nicht so viel, dass Sie Ihren ganzen Lebenslauf umschreiben müssen. Aber anpassen sollten Sie ihn schon. Je nach Bewerbung sollten Schwerpunkte anders gesetzt und neue Schlüsselbegriffe eingeflochten werden. Manche Praktika oder Hobbys sind für den einen Arbeitgeber interessant, für den anderen gar nicht. Das sollten Sie von Stellenangebot zu Stellenangebot entscheiden. Ja, das macht Arbeit. Aber sie lohnt sich.

Ihr Lebenslauf sollte zunächst Lückenlos sein. Diese Angaben gehören in jedem Fall hinein:

  • Persönliche Daten (Name, Geburtstag, Geburtsort, Adresse)
  • Familienstand
  • Staatsangehörigkeit
  • Beruflicher Werdegang
  • Schulbildung und/oder Ausbildung
  • Qualifikationen und Kenntnisse (Zertifikate, Weiterbildung, Sprachen)
  • Interessen (Ehrenamtliches Engagement, Hobbys)
  • Ort, Datum, Unterschrift

Aus formaler Sicht sollten Sie hierauf achten:

  • Der Lebenslauf umfasst maximal zwei Seiten.
  • Kopf- und Fußzeile sind in Lebenslauf und Anschreiben identisch.
  • Das Layout ist einheitlich (Schriftart, Schriftgröße).
  • Die beruflichen Stationen beinhalten Monats- und Jahresangabe (z.B.: 01/2019).
  • Am Ende des Lebenslaufs stehen Datum und Unterschrift.

Folgende Angaben können Sie sich sparen. Sie gehören NICHT in den Lebenslauf:

  • Name und Beruf der Eltern oder Angehörigen
  • Gehaltsvorstellungen
  • Politische Überzeugungen (es sei denn, Sie bewerben sich in einer Partei o.ä.)
  • Religion (es sei denn, Sie bewerben sich in einer konfessionellen Einrichtung o.ä.)
  • Persönliche Kommentare (z.B. zu früheren Arbeitgebern)
  • Den Begriff arbeitslos (besser: arbeitssuchend)
  • Unseriöse E-Mail-Adressen

Lebenslauf Checkliste: So können Sie ihn pimpen

Die Formalien sind die Grundlage Ihres Lebenslaufs. Wenn Sie ihn dann noch individualisieren und an die jeweilige Stelle anpassen, verbessern Sie Ihre Jobchancen enorm. Dazu können Sie folgendes tun:

  • Die wichtigsten Stationen optisch hervorheben.
  • Ausgewählte Aufgaben ausführlich beschreiben.
  • Relevante Fachbegriffe und Reizwörter aus der Stellenanzeige verwenden.
  • Den Lebenslauf optisch an das Unternehmen anpassen.

Der letzte Punkt bedeutet konkret, dass Sie etwa die Unternehmensfarben auch in Ihrem Lebenslauf verwenden können. Oder grafische Elemente, die dem Corporate Design des Unternehmens nahekommen. Oder die gleiche Schriftart, die das Unternehmen verwendet – in seinem Logo zum Beispiel oder auf seiner Webseite.

Im besten Fall wird so beim Personaler subtil der Eindruck erzeugt, dass Sie perfekt zum Unternehmen passen und dessen Kultur schon verinnerlicht haben. Das erfordert Fingerspitzengefühl Ihrerseits. Zu plump und platt sollten Sie nicht vorgehen. Aber selbst wenn der Personaler Ihr Spielchen durchschaut: Er wird es trotzdem zu würdigen wissen, dass Sie sich die Mühe überhaupt gemacht haben – und den Job offenbar unbedingt wollen.

Wenn Sie das im Lebenslauf beherzigen, dann müssen Sie natürlich auch das Anschreiben optisch anpassen. Die Bewerbungsunterlagen sollten stets einheitlich sein.

Lebenslauf Checkliste: Was inhaltlich zählt

Die Gestaltung ist die eine Seite der Medaille, der Inhalt die andere. Denn auch inhaltlich sollten Sie den Lebenslauf – wenn möglich – jedes Mal aufs Neue anpassen. Dabei helfen Ihnen diese Fragen:

  • Welcher meiner bisherigen Stationen sind für die angepeilte Stelle relevant?
  • Welche spielen keine wesentliche Rolle?
  • Welche Kompetenzen MUSS ich mitbringen?
  • Welche Kompetenzen KANN ich mitbringen?
  • Wie kann ich beide durch konkrete Beispiele belegen?
  • Was ist mein Alleinstellungsmerkmal für die angestrebte Stelle?

Sie sollen wohlgemerkt nicht Ihren Werdegang umschreiben oder die Reihenfolge ändern. Die ist unabänderlich.

Aber Sie können die Inhalte gezielt herausstellen, die Sie für besonders wichtig halten. Das macht durchaus Sinn, denn Personalverantwortliche nehmen sich meist nur wenige Minuten Zeit, um eine Bewerbung zu überfliegen. Wenn Sie dann an genau der Stelle innehalten, die Sie dafür reserviert hatten, hat sich die Mühe schon gelohnt.

Die hervorgehobenen Elemente im Lebenslauf lassen sich auch noch durch das Anschreiben und die Zeugnisse unterstreichen. Den Gesamteindruck runden Hobbys oder ehrenamtliches Engagement ab.

Lebenslauf Checkliste: Was Sie vermeiden

Es ist super, wenn Sie Ihren Lebenslauf individualisieren und auf die jeweilige Stelle maßschneidern. Übertreiben sollten Sie es aber nicht. Authentisch und rund ist der Lebenslauf nur bis zu einer gewissen Grenze, danach fängt er an, bemüht und verzweifelt zu wirken.

Was Sie nicht tun sollten:

  • Das Corporate Design des Unternehmens vollständig kopieren.
  • Die einzelnen Station mit zu viel Text versehen.
  • Zu viele Schlagworte aneinanderreihen.
  • Das Layout so aufwändig gestalten, dass die Übersichtlichkeit darunter leidet.
  • Lebenslauf und Anschreiben in unterschiedlichem Stil verfassen.

Lebenslauf Checkliste: Das machen Sie zum Schluss

Wenn Sie am Ende folgende Fragen zufriedenstellend beantworten, dann können sie Ihren Lebenslauf guten Gewissens vorzeigen:

  • Ist der Lebenslauf auf dem aktuellen Stand?
  • Wurden die Angaben im Lebenslauf auf die angestrebte Stelle angepasst?
  • Umfasst er nicht mehr als zwei DIN A4-Seiten?
  • Sind alle wesentlichen Qualifikationen und Stationen enthalten?
  • Enthält er keine Rechtschreibfehler?
  • Sind Stil und Formatierung einheitlich (z.B. immer Großschreibung am Anfang jeder Spalte, gleiche Abstände etc.)?
  • Stimmt die Schriftart mit jener im Anschreiben überein?
  • Sind Ihre Kontaktdaten aktuell und vollständig?
  • Haben Sie eine seriöse E-Mail-Adresse gewählt?
  • Auf Angaben zu Eltern oder Geschwistern haben Sie verzichtet?
  • Haben Sie Ihr Bewerbungsfoto nicht vergessen?
  • Beinhalten Ihre bisherigen Berufsstationen stichwortartige Tätigkeitsangaben?
  • Haben Sie wichtige sonstige Kenntnisse wie IT- oder Sprachkenntnisse enthalten?
  • Sind Hobbys und Interessen im Lebenslauf aufgeführt, die eine Relevanz für die Stelle haben?
  • Sind Ort und Datum im Lebenslauf mit Ort und Datum im Anschreiben identisch?
  • Haben Sie nicht vergessen, den Lebenslauf handschriftlich zu unterschreiben?

PS: Mehr dazu finden Sie auch im Youtube-Kanal der Karrierebibel.

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