Vorstellungsgespräch nachbereiten: Das sind Ihre Vorteile

vorstellungsgespraech nachbereiten

Gut vorbereitet ist halb gewonnen – das ist aus Bewerbersicht völlig richtig. Es gibt aber noch eine Möglichkeit, die eigenen Erfolgsaussichten kurz- bis mittelfristig in die Höhe zu treiben. Und die lautet: Das Vorstellungsgespräch nachbereiten. Wer sich etwas Zeit nimmt, um über die guten und schlechten Aspekte seines letzten Jobinterviews nachzudenken, darf mit einem positiven Effekt rechnen. Vorstellungsgespräch nachbereiten – darum lohnt es sich…

Vorstellungsgespräch nachbereiten: Darum sollten Sie es tun

Die Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch ist die halbe Miete. Wer sich smarte Fragen und Antworten überlegt und die Selbstpräsentation vor dem Spiegel übt, hebt seine Erfolgsaussichten auf ein höheres Level. Hat man das Jobinterview dann hinter sich, fallen einem Steine vom Herzen. Puh, geschafft!

Es ist wie nach einer Schulklausur. Alle Stifte und Hefte verschwinden schlagartig im Karton – und werden bis auf Weiteres nicht mehr angerührt. Für Bewerber kann das ein Fehler sein. Denn bedenken Sie: Jedes Vorstellungsgepräch bietet Ihnen die Chance, zu lernen und zu wachsen. Das sollten Sie nutzen – durch eine Nachbereitung.

Wer Vorstellungsgespräche professionell aufarbeitet, erhöht seine Erfolgsaussichten in der Zukunft – und spart am Ende womöglich auch noch Zeit. Die Lehren, die man zieht, helfen einem schnell weiter.

Am besten, die Nachbereitung des Jobinterviews erfolgt zeitnah. Denn kurz danach sind die Erinnerungen und Eindrücke noch ganz frisch. Sie wissen, was Sie gesagt haben, was Ihr Gesprächspartner gesagt hat und sogar was er oder sie anhatte und ob ein Teller mit Gebäck auf dem Tisch stand. Ein paar Wochen später sind all die Details vergessen. Sortieren und analysieren Sie alles – das bringt etwas!

Die Details: So bereiten Sie nach

Diese Fragen sollten Sie sich bei der Nachbereitung eines Vorstellungsgespräch stellen. Mit den Erkenntnissen können Sie nachjustieren und das nächste Jobinterview noch besser meistern:

  • Waren die Informationen, die Sie zuvor über das Unternehmen gesammelt hatten, ausreichend?
  • War Ihr Outfit angemessen – in Bezug auf Arbeitgeber und Branche? Waren Sie zu leger angezogen oder overdressed?
  • Waren Sie auf die gestellten Fragen ausreichend vorbereitet?
  • Wie lief Ihre Selbstpräsentation? War sie zu kurz oder zu lang?
  • Wie haben Ihre Gegenüber auf die von Ihnen gestellten Rückfragen reagiert?
  • Haben Sie irgendetwas Wichtiges vergessen, was Sie unbedingt hätten sagen wollen?
  • Was würden Sie beim nächsten Mal anders machen? Und was würden Sie genauso machen?

Diese Fragen über das Unternehmen bieten ebenfalls einen Erkenntnisgewinn:

  • Wie empfanden Sie die grundsätzliche Stimmung im Unternehmen?
  • Wie gingen die Gesprächspartner miteinander um – vorausgesetzt, es waren mehrere?
  • Welchen Gesamteindruck hatten Sie vom Unternehmen – zum Beispiel in Bezug auf Gebäude, Empfang, Personal?
  • Wie wurden Sie begrüßt? Begann das Gespräch pünktlich?
  • Können Sie sich vorstellen, in diesem Unternehmen zu arbeiten? Warum bzw. warum nicht?
  • Haben die Interviewer Ihre Fragen zufriedenstellend beantwortet?
  • Wie war Ihr Anfahrtsweg? Wie gut könnten Sie diese Strecke täglich bewältigen?

Lassen Sie sich bei der Beantwortung ruhig ein wenig Zeit – und schreiben alle Pros und Cons auf eine Liste. Sie werden feststellen, dass Ihnen Einzelheiten einfallen, die Sie schon wieder irgendwo in den Untiefen Ihres Arbeitsgedächtnisses abgelegt hatten.

Wenn Sie die Notizen festhalten – vielleicht in einem Ordner auf Ihrem Laptop – können Sie sie immer wieder hervorholen. Sie geben Ihnen langfristig eine gute Orientierung. Nach mehreren Jobinterviews erkennen Sie vielleicht sogar Muster. Ihnen hat jedes Mal Ihre eigene Selbstpräsentation missfallen? Dann arbeiten Sie daran. Sie kommen regelmäßig bei Stressfragen ins Stottern? Überlegen Sie sich doch mal ein paar ausweichende Floskeln, mit denen Sie während des Gesprächs Zeit gewinnen. Oder trainieren Sie Ihre Stressresistenz, zum Beispiel durch Rollenspiele mit Freunden.

Wer bei der Nachbereitung systematisch vorgeht, merzt Fehler zügiger aus und gelangt schneller wieder auf den Erfolgspfad.

Vorstellungsgespräch nachbereiten: 2 große Vorteile

Sie haben Ihre Vorteile ja sicher längst herausgelesen. Es sind im Wesentlichen zwei Vorteile. Zum Einen dient die Nachbereitung Ihrer Persönlichkeitsentwicklung. Sie entdecken Ihre Defizite schneller, wenn Sie Gespräche nachbereiten. Und zweitens merken Sie auch, ob der jeweilige Arbeitgeber überhaupt der richtige für sie ist.

Allerdings sollten Sie auf der Hut sein. Während Ihres Gesprächs haben Sie nur einen mickrigen Ausschnitt des Unternehmens gesehen. Sie sollten also nicht Ihr ganzes Urteil darauf bauen. Aber ein paar Hinweise gibt dieser Ausschnitt schon. Wenn sich beispielsweise die Angestellten angegiftet haben, lässt das grob nur zwei Schlüsse zu. Entweder ist die Atmosphäre und Kollegialität unterirdisch oder die wirtschaftliche Situation gerade extrem mies. Beides Warnsignale!

Oder Ihre Erfahrungen decken sich überhaupt nicht mit dem, wie Sie die Firma eingeschätzt haben oder wie sie sich selbst zuvor verkauft hat. Dann lohnt ein näherer Blick – oder eine noch eingängigere Recherche im Internet.

Oder aber Ihr Gesprächspartner ist Ihnen dermaßen unsympathisch, dass Sie sich nicht ausmalen mögen, mit dieser Person – sofern es sich um Ihren direkten Vorgesetzten oder einen Mitarbeiter aus Ihrer künftigen Abteilung handelt – die nächsten Monate und Jahre zusammenzuarbeiten.

Warnsignale können Sie im zweiten Vorstellungsgespräch noch einmal überprüfen. Gerade in großen Konzernen ist es nicht unüblich, Bewerber durch mehrere Runden zu jagen.

Nachbereitung: E-Mail schreiben?

In den USA ist es üblich, auf ein Jobinterview ein Dankschreiben folgen zu lassen. Credo: „Danke für Ihre Zeit. Hat mich sehr gefreut, Sie persönlich kennenzulernen. Ich bin weiterhin sehr an der Stelle interessiert.“ Keine schlechte Sitte!

Sie brechen sich auch hierzulande keinen Zacken aus der Krone, wenn Sie sich im Nachhinein noch einmal gebührend bedanken. Und viel Zeit kostet es Sie auch nicht, eine kurze E-Mail zu verfassen.

Vielmehr zeugt so ein Dankschreiben von sozialer Kompetenz. Damit die Mail ihre Wirkung nicht verfehlt, sollten Sie sie unbedingt persönlich an Ihren direkten Ansprechpartner adressieren. Zum Beispiel so:

Sehr geehrter Herr Jensen/Frau Jensen,

ich möchte mich noch einmal sehr herzlich für das angenehme Vorstellungsgespräch bei Ihnen bedanken. Die Arbeitsatmosphäre in Ihrem Unternehmen hat mich sehr beeindruckt und in der Überzeugung bestärkt, dass die Stelle genau die richtige für mich wäre. Es würde mich sehr freuen, wenn ich Sie in Zukunft mit vollem Einsatz unterstützen könnte.

Mit freundlichen Grüßen
Hans Hansen

Vorstellungsgespräch nacharbeiten: Wann nachfassen?

Das Ende ist immer auch ein neuer Anfang. Das trifft speziell im Bewerbungsgespräch zu. Denn zum Schluss wird normalerweise das weitere Prozedere erörtert. Als Bewerber können Sie aktiv danach fragen, wie es jetzt weitergeht. Dann sollte der Personalverantwortliche Ihnen auch eine zufriedenstellende Antwort geben.

Üblicherweise liegt die Frist zwischen einer und zwei Wochen nach dem Gespräch. In diesem Zeitraum dürfen Sie mit einer Nachricht des Unternehmens rechnen. Mit einer Nachricht wohlgemerkt, nicht zwangsläufig mit einer endgültigen Zu- oder Absage. Es könnte also sein, dass Sie zu einem zweiten Vorstellungsgespräch eingeladen werden oder dass man Ihnen mitteilt, dass Sie es in die nähere Auswahl geschafft haben – oder auch nicht.

In dieser Zeit sollten Sie auch nicht beim Unternehmen anrufen oder Mails schreiben und sich nach dem aktuellen Stand erkundigen. Das wirkt ungeduldig bis penetrant. Erst nach zwei oder drei Wochen sollten Sie erste Erkundigungen anstellen – wenn Sie wollen.

Dabei spielt auch die Größe des Arbeitgebers und die Anzahl der Bewerber eine Rolle. Je größer das Unternehmen, desto mehr Bewerber gibt es normalerweise und umso länger dauert das Auswahlverfahren.

Vorstellungsgespräch nachbereiten: Warum Niederlagen stärker machen

Man bereitet sich auf Siege vor. Aber es sind die Niederlagen, die man nachbereiten muss. Dadurch verwandeln sich die Niederlagen von früher in die Siege von morgen.

Denn die Wahrscheinlichkeit, dass Ihre ersten Bewerbungen nicht zum Erfolg führen, ist hoch. Gerade Berufsanfänger starten aber mit hohen Erwartungen ins Berufsleben, manchmal mit überhöhten. Umso größer ist dann die Enttäuschung, wenn es nicht klappt. Davon sollten Sie sich nicht entmutigen lassen. Leichter gesagt als getan, natürlich, aber Sie können aus diesen ersten Pleiten viel mitnehmen. Eine Nachbereitung hilft.

Das ist nebenbei bemerkt auch bei Startup-Gründern so: Die Lernkurve ist unfassbar steil für alle, die direkt nach der Uni ein Unternehmen gründen. Das liegt an den vielen kleinen und großen Niederlagen entlang des Weges (Siege gibt es natürlich auch regelmäßig). Sehen Sie eine erfolglose Bewerbung also als etwas, das dazugehört.

Und vielleicht haben Sie sogar eine blitzsaubere Bewerbung und mächtig Eindruck hinterlassen. Nur war ein anderer Bewerber NOCH besser als Sie. Glück gehört natürlich auch dazu.

Also: Es ist sogar sehr rational, eine Niederlage nicht als solche anzuerkennen. Nehmen Sie eine Absage nicht persönlich, analysieren Sie ganz nüchtern, was gut und was schlecht lief, ziehen Sie Ihre Schlüsse. Aber lassen Sie sich um Gottes Willen nicht von einer Pleite unterkriegen.

Je mehr Erfahrungen Sie sammeln – auch schlechte – desto steiler ist Ihre persönliche Lernkurve. Die gleichen Muster werden Ihnen hinterher im Job auch wieder begegnen. Erfolglose Pitches, erfolglose Kundenakquise, erfolglose Projekte.

Und statistisch ist es so: Je häufiger Sie sich bewerben, desto mehr Absagen werden Sie bekommen. Aber irgendwann landet eine Zusage im Postkasten. Wer sich nicht bewirbt, erhält auch keine Absagen – aber auf die Zusage wird er ewig warten.

Zum Schluss noch ein Tipp: Wenn Sie noch sehr unerfahren sind, können Sie das Unternehmen auch nach Feedback fragen. Was hat den Ausschlag gegen Sie gegeben? Nicht alle Unternehmen antworten ehrlich – schon allein aus Höflichkeit oder aus Angst, gegen das Antidiskriminierungsgesetz zu verstoßen – aber den einen oder anderen Anhaltspunkt könnte es Ihnen durchaus geben.

[Bildnachweis: fizkes by Shutterstock.com]