Wie hoch war Ihr letztes Gehalt? Das sagen Sie dann!

Wie hoch war Ihr letztes Gehalt

Wie hoch war Ihr letztes Gehalt? Eine Frage, die jeder Bewerber kommen sieht. Aber auf die nicht jeder vorbereitet ist. Dabei ist sie für die weitere Gehaltsentwicklung von enormer Bedeutung. Wer einen falschen Anker setzt, verschenkt Geld. Doch faustdick lügen sollte – und darf – man ja schließlich auch nicht. Wie Sie bei der Gehaltsverhandlung auftrumpfen und die Gehaltsfrage zu Ihrem Vorteil nutzen…

Wie hoch war Ihr letztes Gehalt?

Ein Jobwechsel lohnt sich finanziell. Im Schnitt können Jobwechsler mit einer Gehaltserhöhung von 5 Prozent rechnen. Die Spanne reicht sogar von 3 bis 20 Prozent.

Natürlich hängt die Höhe des Gehaltssprungs von vielen Faktoren ab: von Alter, Branche, Standort, Beruf und vom bisherigen Gehalt. Der aktuelle Gehaltsscheck dient als Vergleichs- und Verhandlungsgrundlage.

Die Gehaltssteigerung berechnet man schließlich in Prozenten. Dafür benötigt man das Basisgehalt – das ist in der Regel das, was Sie bisher verdient haben. Liegt es über dem Marktdurchschnitt, dürfte es schwer werden, eine massive prozentuale Steigerung herauszuschlagen. Ist es unterdurchschnittlich, könnte die Gehaltserhöhung weitaus höher ausfallen.

Darum ist das Gehalt, das Sie im Vorstellungsgespräch nennen, so entscheidend. Sie legen damit einen Anker fest. Der Rahmen ist somit fixiert, der weitere Verhandlungsspielraum stark eingeschränkt.

Hier beginnt das Problem: Viele Arbeitnehmer wollen das Unternehmen wechseln, weil sie sich für unterbezahlt halten. Drei oder vier Prozent mehr lösen das Problem nicht. Wer aber 20 Prozent mehr fordert, könnte als dreist oder gierig erscheinen…

So bestimmen Sie Ihr Basisgehalt

Der erste Schritt ist in jedem Fall: Recherchieren Sie so gut wie möglich den marktüblichen Rahmen für Ihr Gehalt. Damit sind die Vergleichswerte gemeint, die andere Arbeitnehmer in einer vergleichbaren Position verdienen.

Was verdient jemand, der vergleichbare Qualifikation und Erfahrungen aufweist wie Sie…

  • in diesem Beruf?
  • in dieser Branche?
  • in diesem Unternehmen?
  • in dieser Position?
  • in dieser Region?

Auf Basis dieser Zahlen sollen Sie entscheiden, was Sie verdienen wollen, was angemessen und realistisch ist – so genau wie möglich.

Tipp: In der Gehaltsverhandlung sollten Sie einen konkreten Betrag nennen – vielleicht sogar einen krummen. Warum? Sie suggerieren damit, dass Sie die marktüblichen Konditionen und Ihren Marktwert sehr genau kennen und einschätzen können.

Wo finden Sie Gehaltszahlen? Zum Beispiel hier:

  • In unseren Jobprofilen hier bei Karrieresprung
  • Fach-Blogs wie Karrierebibel
  • Gehaltsreports von Jobbörsen wie Stepstone oder Xing
  • Arbeitgeberbewertungsportale wie Glassdoor und Kununu
  • Offizielle Daten des Statistischen Bundesamts oder der Bundesagentur für Arbeit
  • Durch Bekannte und Mund-zu-Mund-Propaganda

Gehalt: Wählen Sie einen Job, der…!

Wie hoch war Ihr letztes Gehalt PersönlichkeitWählen Sie einen Job, der zu Ihrer Persönlichkeit passt! Nicht nur der Selbstverwirklichung wegen, sondern auch, weil Sie dann mehr Geld verdienen. Denn: Wer in einem Beruf arbeitet, dessen Anforderungen seiner Persönlichkeit entsprechen, verdient mehr als andere.

Das haben niederländische Wissenschaftler von der Universität Tilburg herausgefunden. Ihre Studie wurde 2018 im Fachmagazin Psychological Science veröffentlicht. Demnach sind keineswegs nur bestimmte Persönlichkeitsmerkmale wie Gewissenhaftigkeit oder Extraversion entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg von Arbeitnehmern, sondern die Passung des Charakters mit dem Beruf.

Wer also etwa besonders extrovertiert, umgänglich oder emotional stabil ist, sollte einen Job wählen, in dem genau diese Eigenschaft in überdurchschnittlichem Maße gefordert ist.

Ergebnis der Forscher: Menschen, deren Persönlichkeit zu ihrem Job passt, können in einem Jahr bis zu ein Monatsgehalt mehr als ihre Kollegen verdienen.

Wie hoch war Ihr letztes Gehalt: Darf ich lügen?

Was tun, wenn das letzte Gehalt aus Ihrer Sicht eindeutig zu niedrig ausfiel – dreist lügen?

Nein, das kann nicht das richtige Vorgehen sein. Wenn Ihre Lüge auffliegt (was durchaus vorkommt), dann stehen Sie als Lügner da – als jemand, dem man nicht vertrauen kann. Und ein Arbeitgeber, der seinem Mitarbeiter nicht vertraut, kann ihn eigentlich direkt feuern…

Übrigens ist die Frage nach dem letzten Gehalt durchaus erlaubt – sofern die neue Stelle ähnliche Kenntnisse und Kompetenzen des Kandidaten erfordert wie die alte. Durchaus denkbar also, dass Ihnen eine Lüge, die nachträglich auffliegt, als arglistige Täuschung ausgelegt wird. Der Arbeitgeber ist dann noch zehn Jahre später berechtigt, den Arbeitsvertrag wieder aufzulösen.

Und auffliegen kann eine Mogelei sehr leicht. Zum Beispiel dann, wenn Arbeitnehmer ein bestimmtes Jahresgehalt nicht überschreiten und daher in den gesetzlichen Pflichtversicherung versichert sind. Der Datenschutz greift hier nicht. Wer also im Vorstellungsgespräch ein Gehalt angibt, das über der jährlichen Versicherungspflichtgrenze lag, in Wahrheit aber pflichtversichert war, kann leicht enttarnt werden.

Wie hoch war Ihr letztes Gehalt: So formulieren!

Verschämt sollten Sie deshalb aber nicht auftreten. Wenn Sie bislang zu wenig verdient haben, dann sagen Sie das auch ganz klar und offen. Sie sollten aber auch ansatzweise belegen können, warum Sie Ihr bisheriges Gehalt für unterbewertet halten. Zum Beispiel so:

Ich würde mein bisheriges Gehalt nur ungern als Vergleichswert zugrunde legen. Es handelte sich um mein Einstiegsgehalt. Damals habe ich die üblichen Marktwerte nicht recherchiert, schlecht verhandelt und mich deutlich unter Wert verkauft. Heute verfüge ich über wesentlich mehr Erfahrung und halte ein Gehalt in Höhe von XXXXX Euro pro Jahr für angemessen.

Noch bessere Argumente haben Sie, wenn mit dem Jobwechsel eine andere Position oder gar Führungsverantwortung verbunden ist. In diesem Fall lassen sich altes und neues Gehalt gar nicht mehr übereinanderlegen – zu unterschiedlich die Stellenprofile.

Nur plausibel, dass Sie sich auch finanziell weiterentwickeln wollen. So lange das Gehalt, das Sie fordern, nicht den marktüblichen Rahmen sprengt, dürften Sie gute Karten auf Zuschlag haben.

Wie hoch war Ihr letztes Gehalt: Wann wird die Frage gestellt?

Das Gehalt ist ein entscheidendes Kriterium bei der Jobwahl – aber längst nicht das einzige. Im Vordergrund sollte es ohnehin nicht stehen. Und selbst wenn es für Sie Priorität A hat, dann zeigen Sie es bitte nicht so offensichtlich.

Im Vorstellungsgespräch stehen Job, Firma, Herausforderung, Aufgaben an vorderster Stelle – nicht das Geld. Ihr Arbeitgeber will keine Söldner, die bei der erstbesten Gelegenheit weiterziehen. Er will jemanden, der sich mit der Stelle identifziert, Freude an der Arbeit hat und alles gibt.

Bringen Sie das Gehalt daher nicht als Erstes ins Gespräch, sondern stets zu einem späteren Zeitpunkt. In der Regel stellt der Arbeitgeber von sich aus die Gehaltsfrage. Diesen Zeitpunkt können Sie in aller Ruhe abwarten. Erst recht, wenn Sie über Vergleichs- und Marktwerte im Bilde sind und eine schlüssige Gehaltszahl auf den Tisch legen können.

Dabei handelt es sich im Übrigens meist um das Brutto-Jahresgehalt. Enthalten sind Weihnachts- und Urlaubsgeld, mögliche Prämien und Sonderleistungen. Fragen Sie aber explizit nach, sonst erleben Sie noch eine unangenehme Überraschung.

Übrigens: Wenn Sie mit Ihrem Grundgehalt nicht einverstanden sind, müssen Sie die Verhandlung nicht gleich abbrechen, sondern können noch andere Leistungen in den Verhandlungstopf werfen. Zum Beispiel einen Dienstwagen, Dienst-Handy oder andere Zusatzleistungen und Benefits.

Gehaltserhöhung: Nicht zu viel auf einmal!

Eine Gehaltserhöhung fühlt sich toll an. Das Hochgefühl ist aber nicht von Dauer.

Nach spätestens vier Jahren ist die Euphorie über den dickeren Gehaltsscheck vollständig verfolgen, wie Wissenschaftler der Universität Basel 2018 herausfanden. Ihre Studie wurde im Fachmagazin Journal of Economic Behavior and Organization veröffentlicht.

Anfangs überwiegt die Freude über die Gehaltserhöhung. Noch größer ist der Effekt, wenn der Gehaltssprung größer ausfällt als bei den Kollegen. Mit der Zeit aber entwickelt sich das neue Gehalt zum Referenzwert, an den sich der Mitarbeiter zunehmend gewöhnt. Anders herum ist es übrigens genauso: Nach einiger Zeit hat man sich an eine Gehaltsreduzierung – wenn etwa der Arbeitgeber in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckt – gewöhnt.

Rat der Forscher: Viele kleine Gehaltserhöhungen motivieren Arbeitnehmer langfristig mehr als ein einzelner großer Gehaltssprung.

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