Gesprächsführung: So nehmen Sie das Heft in die Hand

Gesprächsführung Tipps

Der Personaler führt das Gespräch, denken viele Bewerber. Er stellt die Fragen, er gibt die Richtung vor. Das ist auch nicht ganz falsch. Aber in der Rolle des reinen Fragenbeantworters, der nur den Mund aufmacht, wenn er gefragt wird, sollten Sie nicht verharren. Ganz im Gegenteil, gute Bewerber übernehmen die Kontrolle über ein Gespräch. Ganz einfach ist das nicht. Für eine gute Gesprächsführung müssen zunächst diese Vorraussetzungen erfüllt sein…

Gesprächsführung: So wichtig ist sie im Vorstellungsgespräch

Der erste Tipp ist der wichtigste: Machen Sie sich nicht klein. Dazu gehört auch, die Gesprächsführung nicht komplett aus der Hand zu geben. Es handelt sich ja schließlich um ein Bewerbungsgespräch, nicht um ein Bewerbungsverhör oder einen Bewerbungsmonolog.

Dass Sie zum Jobinterview eingeladen worden sind, sollte Ihr Selbstvertrauen gestärkt haben. Sie haben die erste Hürde überstanden, der Arbeitgeber ist an Ihnen interessiert. Sehr positiv!

Gut vorbereiten sollten Sie sich in jedem Fall auf das Vorstellungsgespräch. Wichtig ist vor allem, typische Personalerfragen zu antizipieren (und zu kontern) und selbst gute Rückfragen in petto zu haben.

Am besten, Sie bringen Ihre Punkte ehrlich und authentisch rüber. Was abgedroschen klingt, dient der Partnerfindung. Sie selbst wollen auch wissen, ob das Unternehmen zu Ihnen passt. Wenn Sie mit offenen Karten spielen, fällt beiden die Partnerwahl leichter.

3 Voraussetzungen für eine erfolgreiche Gesprächsführung

Ein erfolgreiches Gespräch mit dem Arbeitgeber in spé setzt drei Dinge voraus:

  1. Bewerbungsunterlagen

    Ihre eigenen sollten Sie kennen. Schauen Sie vorher unbedingt noch mal auf Ihre Unterlagen. Sonst erwischt man sie womöglich auf dem falschen Fuß. Wenn Sie sich an das Praktikum bei der Konkurrenzfirma nicht mehr erinnern oder Ihr Französisch, das Sie im Lebenslauf mit fließend angegeben haben, in Wahrheit aus ein paar Brocken besteht, macht das Ihre Vorstellung zu einer Farce.

  2. Informationen

    Der Personaler erzählt und fragt und macht und tut – und Sie verstehen nur Bahnhof. Sie müssen Ihr zukünftiges Unternehmen nicht aus dem Effeff kennen, aber die wichtigsten Infos sollten sitzen. Wenn Sie sich bei Volkswagen bewerben, aber Elektroautos für ferngesteuerte Spielzeuge halten, können Sie das Gespräch vergessen. Ein Gespräch kontrollieren, das eben nicht auf Augenhöhe stattfindet, ist unmöglich.

  3. Namen

    Dieser Punkt ist viel wichtiger als man denkt. Merken Sie sich die Namen Ihrer Gesprächspartner und reden Sie sie auch persönlich mit Namen an. Das zeugt von Wertschätzung. Ein Gespräch besteht immer aus zwei Parteien. Und gelingen kann es nur, wenn beide Seiten der jeweils anderen mit Respekt begegnen. Auch die Position bzw. Funktion Ihrer Gesprächspartner sollten Sie sich unbedingt gemerkt haben.

3 unterschätzte Fehler

Achtung – diese drei Fehler machen die beste Gesprächsführung zunichte:

  1. Handy

    Wenn es während des Jobinterviews bimmelt, ist das keine Katastrophe. Jeder kann mal vergessen, sein Handy rechtzeitig auszustellen. Ihre Reaktion ist es, die zählt. Und die kann nur so aussehen: Sie entschuldigen sich, drücken den Anruf sofort weg und schalten das Smartphone aus. Wehe dem, der noch mehrere Sekunden wie gebannt aufs Display starrt, um zu sehen, wer gerade anruft oder gar rangeht (das können und sollten Sie in familiären Notlagen natürlich tun, aber auch nur dann)!

  2. Uhr

    Bitte niemals auf die Uhr blicken, auch nicht heimlich! Und schon gar nicht mehrfach. Weder auf die Armbanduhr oder Smartwatch, noch auf die Uhr an der Wand. Das zeigt entweder, dass Sie an Langeweile leiden oder sich wünschten, der Zeiger liefe noch viel schneller. Ein ehrliches Interesse am Job drücken Sie dadurch jedenfalls nicht aus. Was Sie im weiteren Laufe des Vorstellungsgesprächs sagen oder nicht sagen, spielt jetzt schon fast keine Rolle mehr.

  3. Laberei

    Nervosität zeigt sich darin, dass man sich gar nicht traut, etwas zu sagen – oder dass man den Gegenüber komplett zutextet. Smalltalk als Eisbrecher – schön und gut. Aber halten Sie sich ein wenig zurück. Quasseln Sie nicht ohne Punkt und Komma drauflos. Sprechen Sie langsam und deutlich. Posaunen Sie keine Belanglosigkeiten heraus. Bleiben Sie cool und souverän. Das wird im Job auch von Ihnen erwartet.

So kontrollieren Sie das Gespräch

Sie sollen das Gespräch kontrollieren, nicht dominieren. Das ist ein gewaltiger Unterschied. Zunächst ist es logisch, dass der Personaler die Gesprächsführung übernimmt. Er hat Sie eingeladen, er stellt die Fragen, er will etwas über Sie erfahren, er stellt den Arbeitgeber vor.

Aber Sie können als Bewerber dennoch kontrollieren, welche Botschaften Sie vermitteln. Welchen Eindruck Sie hinterlassen und was Sie zum Ausdruck bringen. Das fängt mit der Selbstpräsentation an. Die Stationen und Erfolge, die Ihnen am wichtigsten sind, legen Sie ausführlicher dar als jene, die weniger durchschlagend waren.

Auch andere typische Personalerfragen sind so gestrickt, dass Sie das Heft in der Hand behalten können.

Wenn Sie sich gut vorbereitet haben, läuft es so: Der Personaler fragt, aber Sie kontrollieren das Gespräch.

Gesprächsführung: Hier lauern die Gefahren

Schwieriger wird es bei sogenannten Stressfragen. Die sind speziell darauf ausgelegt, Sie aus der Reserve zu locken – und Ihnen die Schweißperlen ins Gesicht zu treiben.

Dies ist der Zeitpunkt, an dem viele Bewerber die Kontrolle verlieren. Wenn sie rot anlaufen, nervös mit den Händen spielen oder anfangen zu nuscheln. Oder, wenn sie etwas anderes sagen als das, was sie eigentlich zum Ausdruck bringen wollten.

Grundsätzlich: Es ist nicht schlimm, mal auf dem Schlauch zu stehen! Wichtiger ist, wie Sie damit umgehen. Bleiben Sie vor allem ruhig. Versuchen Sie, sich mit einem Kommentar Zeit zu erkaufen. So einem wie: „Knifflige Aufgabe, die Sie mir stellen.“ Sie können Ihre Antworten auch im Nachhinein korrigieren oder präzisieren, ohne als Windbeutel dazustehen. Fangfragen erfordern das mitunter. Nur Mut!

Und selbst wenn Sie mehr schlecht als recht aus dieser Gesprächsphase herausgekommen sind, ist die Chance noch nicht vertan. Sie können das Ruder wieder in die Hand nehmen. Diese Möglichkeit bietet sich vor allem, wenn der Personaler die berühmte Frage stellt: Haben Sie noch Fragen an uns? Darauf sollten Sie gut vorbereitet sein und eine oder zwei Rückfragen aus dem Hut zaubern…

Gesprächsführung: Der Schlussakkord

Sobald der Gesprächspartner mit den Rückfragen startet, bietet sich Ihnen noch eine ganz andere Gelegenheit. Sie können Punkte, die Ihnen wichtig, aber noch nicht zur Sprache gekommen sind, ins Gespräch einweben. Oder Dinge klarstellen, wenn sie einer Klarstellung bedürfen.

„Bevor ich Ihnen meine Fragen stelle, würde ich gerne noch eine Sache sagen: Und zwar ist es, glaube ich, vorhin nicht ganz deutlich geworden, dass…“

Das klingt für Sie vielleicht verwegen, ist aber völlig legitim. Sie führen ein Gespräch (!) und sind kein Antworten-Automat. Dazu gehört, dass Sie selbst ansprechen können, was Sie für wichtig erachten. Nur arrogant oder anmaßend sollten Sie dabei nicht wirken.

Und noch ein Hinweis: Sie dürfen die Aspekte, die für Sie relevant sind, auch gerne in einem Notizbuch notieren und mit ins Jobinterview nehmen. Und sich während des Gesprächs neue Notizen machen. So wirken Sie gut vorbereitet und engagiert.

Nein, jedem Personaler gefällt auch das sicher nicht. Es gibt tatsächlich welche, die nur Mitarbeiter suchen, die folgen und keine unangenehmen Fragen stellen. Das ist auch in Ordnung. Völlig ok ist es auch, wenn sie so jemand sein wollen. Aber Sie können eben auch anders…

Gesprächsführung: Die Checkliste

Die wichtigsten Tipps in der Übersicht:

  • Reden Sie Ihre Gesprächspartner mit Namen an.
  • Holen Sie die notwendigen Informationen über das Unternehmen ein und lassen Sie Ihr Wissen im Laufe des Gesprächs einfließen („Sie wissen ja durch Ihr Werk in Malaysia auch, dass die Uhren in Asien anders ticken…“)
  • Überlegen Sie sich vorher, welche Ihrer Fähigkeiten und Kompetenzen Sie unbedingt anbringen möchten.
  • Legen Sie sich ein oder zwei Themen für den Smalltalk zu Beginn des Gesprächs zurecht.
  • Trainieren Sie Ihre Antworten, aber lernen Sie sie nicht auswendig.
  • Üben Sie Ihre Selbstpräsentation vor dem Spiegel.
  • Antizipieren Sie mögliche Fragen des Personalers, die sich aus Ihrem Lebenslauf ergeben (z.B. Lücken, vorherige Stationen, Studienwahl, Häufigkeit der Jobwechsel usw.).
  • Bereiten Sie zwei oder drei smarte Rückfragen für den Personaler vor.
  • Reden Sie langsam, aber nicht behäbig, und deutlich, aber gerne lebendig.
  • Lassen sich nicht hetzen oder unter Druck setzen – auch nicht durch Fangfragen.
  • Bereiten Sie ein oder zwei solide Floskeln vor, um im Notfall Zeit zu gewinnen („Das ist eine sehr schwierige Frage.“ „Lassen Sie mich da bitte noch mal kurz drüber nachdenken.“).
  • Fallen Sie Ihrem Gesprächspartner nie ins Wort.
  • Bedanken Sie sich am Ende des Gespräch und verabschieden sich höflich – egal, wie gut oder schlecht es gelaufen ist.
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