Haben Sie sich noch woanders beworben?

Haben Sie sich noch woanders beworben

Haben sie sich noch woanders beworben? Manche Arbeitgeber wollen es von Ihnen im Vorstellungsgespräch wissen. Wenn Sie die erste und einzige Wahl sind, steigen schließlich auch ihre Chancen, vom Bewerber auserwählt zu werden. Auch Unternehmen haben Gefühle – und wollen die einzig wahre Liebe des Bewerbers sein. Aber wie reagieren Sie nun, wenn Ihnen der Personaler diese Frage stellt? Karrieresprung hat diese Vorschläge für Sie…

Haben Sie sich noch woanders beworben?

Der Arbeitgeber darf Sie das fragen. Wahrheitsgemäß antworten müssen Sie darauf nicht. In diesem Fall könnte man nämlich davon ausgehen, dass eine kleinen Notlüge Wunder wirkt.

Wenn Sie nämlich trotz weiterer Bewerbungen Ihrerseits sagen: „Nein, habe ich nicht. Ich möchte DIESE Stelle.“ Dann signalisieren Sie, dass es sich bei diesem Unternehmen tatsächlich um Ihren absoluten Wunscharbeitgeber handelt. Dass Sie das Gefühl haben, hier zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Sie sind der Mann oder die Frau für diese Stelle. Genau das ist es, was der Personaler hören will.

Aber es gibt eine Einschränkung: Wer zu offensichtlich schleimt, macht sich verdächtig. Garnieren Sie Ihre Beteuerung daher am besten mit einer kleinen Erklärung wie: „Ich habe tatsächlich keine andere Stelle gefunden, die meinem Profil so gut entspricht wie diese.“ Und dann zählen sie zwei, drei Gründe auf, warum das so ist. Damit zeigen Sie überdies noch, dass Sie systematisch vorgegangen sind und sich nicht allein aus Faulheit oder Bequemlichkeit bei der Jobsuche zurückgehalten haben.

Dabei müssen Sie aber aufpassen, nicht allzu sehr wie ein Bittsteller oder Firmen-Groupie aufzutreten. Sie haben etwas zu bieten – und wenn das Unternehmen dies nicht erkannt, macht es einen gewaltigen Fehler. Diese Message sollte bei Ihrem Gegenüber ankommen.

Was Sie alternativ sagen können: „Ja, ich habe mich auch bei anderen Unternehmen beworben. Am liebsten würde ich aber hier anfangen. Diesen Job würde ich allen anderen vorziehen.“

Das klingt realistischer als die Variante oben und hat zwei weitere Vorteile: Sie steigern Ihren Marktwert und setzen das Unternehmen dezent unter Druck. Nach dem Motto: Wenn SIE nicht zuschnappen, ein anderer tut es bestimmt! Und Sie bringen trotzdem zum Ausdruck, wie sehr Sie an dieser Stelle interessiert sind…

Das sagen Sie, wenn Sie nicht lügen wollen

„Haben Sie sich noch woanders beworben?“ Angenommen, Sie antworten darauf einfach mit: „Ja, ich habe mich noch bei mehreren anderen Unternehmen hier in der Region beworben.“ Mehr nicht, keine Erklärungen, kein gar nichts. Wie käme das wohl beim Personaler an?

Richtig, er würde denken, dass Sie ziemlich beliebig und willkürlich auf Stellensuche sind. Hauptsache Job, irgendwo und irgendwie. Er will seinerseits aber das beste Match für die ausgeschriebene Stelle finden – und nicht irgendeinen Bewerber, der sich zufällig gerade beworben hat.

Es ist wie beim ersten Date: Ihrem Flirtpartner würden Sie wahrscheinlich auch nicht sagen, dass Sie sich noch mit anderen Frauen oder Männern treffen. Dieses Eingeständnis würde das Date entwerten. Es hätte einen faden Beigeschmack. So ist es im Vorstellungsgespräch auch – jedenfalls ein bisschen.

Die Realität ist natürlich ganz anders: Bewerber halten sich heute in der Regel mehrere Optionen offen. Alles andere wäre geradezu fahrlässig. Personaler wissen das.

Darum könnten Sie auf die Frage „Haben Sie sich noch woanders beworben“ auch erwidern: „Haben Sie auch andere Bewerber eingeladen?“ Eine Reaktion, die man als forsch und gewagt bezeichnen darf. Es handelt sich zwar „nur“ um eine rhetorische Frage, aber nicht jeder kann damit umgehen. Man könnte sie Ihnen als arrogant oder unverschämt auslegen.

Wenn Sie in einer guten Verhandlungsposition sind und sich keine großen Sorgen machen müssen, am Ende Ihres Bewerbungsmarathons mit leeren Händen dazustehen (weil Sie z.B. in einem Engpassberuf arbeiten), können Sie durchaus keck auftreten. Wenn Sie nicht ganz so gute Karten haben, dann lassen Sie es lieber sein.

Das sagen Sie, wenn Sie den Job wollen

Eine Möglichkeit ist es, ganz offen mit der Frage umzugehen. Direkt zu erwidern, dass Sie sich auch bei anderen Unternehmen beworben haben, möglicherweise sogar bei einem direkten Konkurrenten. Nur sollten Sie dabei deutlich machen, warum Sie das getan haben.

Sie wollen nicht willkürlich und wie ein Opportunist wirken (obwohl das Bewerber auf dem Arbeitsmarkt zwangsläufig fast immer sind). Sie könnten beispielsweise klar machen, dass Sie unbedingt in der Pharmabranche Fuß fassen wollen und daher Ihre Bewerbung auch bei den anderen Playern eingereicht haben. Oder dass es in der Region einige sehr attraktive Unternehmen gibt, die vakante Stellen zu besetzen haben. Diese Chance können Sie nicht einfach ignorieren.

Eine typische Antwort könnte so lauten: „Ja, Sie haben sicher Verständnis dafür, dass ich mich auch anderweitig beworben habe. Es gibt hier in der Gegend und in meiner Branche einige attraktive Unternehmen, die auf Wachstumskurs sind. Ich habe auch schon erste Gespräche geführt. Die Bewerbungsprozesse laufen aber noch, eine Entscheidung habe ich also definitiv noch nicht getroffen.“

Für Sie bietet dies mehrere Vorteile:

  • Sie steigern Ihren Marktwert: Wer mehrere Verehrer hat, zwingt jeden Einzelnen dazu, in die Offensive zu gehen – oder sich ganz zurückzuziehen. Jedenfalls sind Sie als Bewerber nicht der Spielball des Unternehmens. Es kann Sie nicht ewig warten lassen oder Ihnen ein unverschämtes Gehaltsangebot unterbreiten. Dann gehen Sie eben woanders hin. Wer nur diese eine Option hat, ist in einer deutlich schlechteren Verhandlungsposition.
  • Sie erhöhen den Druck auf das Unternehmen: Es muss Sie ebenso von sich überzeugen, wenn es bei Ihnen landen will. Das beinhaltet ein attraktives Gehaltspaket oder Zusatzleistungen – und eine zeitnahe Entscheidung.
  • Bewerber beweisen damit eine gewisse Reife: Wer sich nur bei einem Unternehmen bewirbt in der Hoffnung, hier sehr wahrscheinlich unterzukommen, handelt nicht nur naiv, sondern auch überheblich. Zwei Attribute, die in keinem Job hilfreich sind. Das wissen auch Personaler. Eine charakterliche Reife darf man durchaus als Vorteil sehen.

Ausschließlich Vorteile hat diese Strategie aber keineswegs. Das sind die Nachteile:

  • Sie riskieren viel: Wenn sie hoch pokern, aber gar nicht die Qualifikationen und Skills mitbringen, sind Sie ruckzuck draußen. Denn wer miserable Zeugnisse mitbringt und sich überall bewirbt, macht sich angreifbar. Motto: Ich habe eh keine Chance, also nutze ich sie. Mit der Schrotflinte schießen nur die, die mit der Pistole nicht treffen.
  • Es könnte beliebig wirken: Sie sollten trotz allem versichern, dass Sie diesen Job in ebendiesem Unternehmen den anderen immer vorziehen würden. Auch Unternehmen wollen umgarnt werden – und reagieren gekränkt auf Fremdflirts.
  • Sie wirken planlos: Eine Strategie sollte erkennbar sein. Dutzendfach Bewerbungen über alle Branchen- und Stadtgrenzen hinaus versenden – das wirkt ziellos und verpeilt. Und so wollen sie als Bewerber nicht wirken. Schränken Sie also zumindest ein, dass Sie sich nur bei wenigen ausgewählten Unternehmen umgeschaut haben – aber nicht bei ausnahmslos jeder Wald-und-Wiesen-Bude.

Achtung: 4 Fehler, die Sie vermeiden sollten

Haben Sie sich auch woanders beworbenDiese 4 Fehler sollten Sie vermeiden:

  • Die Namen der Unternehmen nennen, bei denen Sie sich beworben haben. Das zeugt von Indiskretion! Und die ist in allen Unternehmen eine Todsünde. Das Unternehmen verrät Ihnen ja auch nicht die Namen der anderen Bewerber.
  • Verraten Sie nicht zu viele Details. Wann Sie sich auf welchem Wege beworben haben, wie viele Vorstellungsgespräche Sie schon geführt haben und wie die verlaufen sind. All das sparen Sie sich bitte! Es zeugt ebenfalls von ungenügender Diskretion und geht den Personaler nichts an. Einzig der Hinweis, dass noch keine Entscheidung gefallen ist, ist relevant.
  • Eine Zahl nennen. Wenn Sie 25 Bewerbungen verschickt haben, sind das reichlich viele – aus Sicht des Unternehmens vielleicht zu viele. Sie könnten ausweichend sagen: „Es sind wirklich nur ein paar. Nur die, bei denen ich mir sicher bin, dass ich gut hineinpassen würde.“
  • Beleidigt reagieren. Versuchen Sie, souverän mit der Frage umzugehen – selbst wenn Sie der Meinung sind, dass es das Unternehmen überhaupt nichts angeht. Seien Sie höflich und bedanken Sie sich am Ende trotzdem für das Gespräch.
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