Wie stehen Sie zu Überstunden? Das antworten Sie!

Wie stehen Sie zu Ueberstunden

Jeder kennt sie, die meisten hassen sie: Überstunden. Im ersten Halbjahr 2019 hat jeder Beschäftigte in Deutschland im Schnitt 6,4 bezahlte und 6,0 unbezahlte Überstunden geleistet. Ernst wird es aber schon vorher: Im Vorstellungsgespräch will so mancher Personaler wissen, wie es der Bewerber mit der Mehrarbeit hält. Wie stehen Sie zu Überstunden? Die naheliegende Antwort ist nicht unbedingt die beste…

Wie stehen Sie zu Überstunden?

So richtig wissen Bewerber nie, was sie im Bewerbungsgespräch erwartet. Da nützt auch ein Blick in die Rangliste der beliebtesten Arbeitgeber nicht viel. Manchmal sind es gerade erfolgsverwöhnte Firmen, denen der eigene Ruhm zu Kopf gestiegen ist, die im Jobinterview anmaßend werden.

Nach dem Motto: Wir sind die Besten, also können wir die Bewerber auch ein bisschen piesacken. Und wenn sie damit nicht einverstanden sind, dann nehmen wir halt einen von den anderen 1.000 Bewerbern, die da draußen warten…

Darum sind Fangfragen im Bewerbungsgespräch nichts, worüber Sie sich wundern sollten. Es gibt Fangfragen, die ganz harmlos klingen und solche, bei denen Sie auf Anhieb zusammenzucken. Ein Klassiker lautet:

Wie stehen Sie eigentlich zu Überstunden?

Eine Frage, auf die die Antwort sehr leicht erscheint. Durchweg ablehnen wollen Sie Überstunden natürlich nicht. Sie sind ja kein Faulpelz!

Außerdem werden Überstunden in dieser Firma eher die Regel als die Ausnahme sein, so Ihr erster Gedanke, sonst würde der Personaler ja nicht fragen. Also sagen Sie so etwas wie…

Was Sie nicht antworten sollten

Sie antworten vermutlich so etwas wie: „Überstunden? Kein Thema. Ich bin Überstunden gewöhnt. Schon in meinem letzten Job war das so. Da kam es häufiger vor, dass wir zwei oder drei Stunden länger geblieben sind. Das ist nichts, was mich in Panik versetzt. Im Gegenteil, ich kann dafür sogar Reserven freimachen.“

Puh, Schwein gehabt! Das ist bestimmt die Antwort, die Ihr Gegenüber hören will. Ein Bewerber, der motiviert und leistungswillig ist und nicht sofort die neumodische Karte Work-Life-Balance spielt. Falsch!

Natürlich ist es nicht verkehrt, Engagement und Einsatzbereitschaft nach vorne zu stellen. Die Antwort klingt daher erstmal positiv. Aber sie hat einen Unterton. In ihr schwingt nämlich auch folgendes mit:

  • Ich habe keine Freunde und keine Familie und lebe nur für meinen Job. Mit mir kann es machen, mein Arbeitgeber kann eigentlich alles von mir verlangen und ich springe.
  • Meine Selbstorganisation ist mangelhaft – und mein Zeitmanagement auch. Ich schaffe es einfach nicht, meine Aufgaben in der vorgegebenen Zeit zu erledigen. Ich arbeite zwar gründlich, aber auch extrem langsam. Wenn es mal zügig gehen muss, bin ich der Falsche…

Nun könnte man wiederum einwenden: Na und? Es handelt sich doch trotzdem – oder gerade deswegen – um einen Mitarbeiter, nach dem sich die Unternehmen die Finger lecken. Um einen, den sie ausbeuten und herumschubsen können. Aber das ist meist zu kurz gedacht.

Wer keinen Ausgleich in seinem Privatleben hat, wird früher oder später einen Leistungsabfall haben. Zumindest ist dieser sehr wahrscheinlich. Eine starke Familie oder ein großer Freundeskreis sorgen für mentalen Abstand zum Büro und geben Kraft.

Und schlechte Organisation führt zu einer erhöhten Arbeitsbelastung. Die erhöht den Druck im Kessel zusätzlich. Letzten Endes sollten Arbeitgeber davon ausgehen, dass die Produktivität dieses Typus Mitarbeiters langfristig nachlässt.

Und noch etwas: Wer zu allem Ja und Amen sagt, empfiehlt sich auch nicht gerade als Führungskraft und Leistungsträger. Es ist zwar ein Mythos, dass alle Arbeitgeber eigenständige Querdenker schätzen würden, aber Lemminge eben auch nicht.

Wenn Sie vorher genau über diese Frage nachgedacht haben, dann werden Sie vermutlich eine andere Antwort wählen…

So sieht eine gute Antwort aus

Als Ja-Sager wollen Sie nicht dastehen. So weit, so gut. Als Querulant, der bei der erstbesten Gelegenheit zum Betriebsrat rennt, aber ebenso wenig. Natürlich kann man auch von Ihnen erwarten, dass Sie mal eine Stunde dranhängen, wenn es sein muss. Und das Sie dies klaglos hinnehmen, sofern es nicht ständig von Ihnen verlangt wird.

Schließlich ist die Arbeit in einem Unternehmen nicht gleichmäßig verteilt. Es gibt Stoßzeiten und Dürreperioden. Eine Spielzeugfirma hat in der Weihnachtszeit mehr um die Ohren, ein Skihotel im Winter. Das sollte jedem bewusst sein.

Es gilt also, diesen Spagat zu gehen: Einsatz und Flexibilität auf der einen Seite, Selbstbewusstsein und eigene Bedürfnisse auf der anderen. Wie das geht? Zum Beispiel mit einer Antwort wie dieser:

„Generell versuche ich, meine Aufgaben in der vorgegebenen Zeit zu erledigen und meistens schaffe ich das auch. Ich kann schnell UND gründlich arbeiten. Dazu ist es aber wichtig, dass man die Abläufe genau analysiert, die Aufgaben strukturiert und priorisiert. Das habe ich im Laufe der Jahre immer besser verinnerlicht. Allerdings bin ich mir auch darüber bewusst, dass in einem Unternehmen immer wieder unvorhergesehene Ereignisse auftreten. Ich bin flexibel genug, um einzuspringen, wenn Not am Mann ist. Kollegen sollten sich gegenseitig unterstützen und dazu bin ich selbstverständlich bereit. Für mich ist es nicht wichtig, einen starren Nine-to-Five-Job zu haben, sondern einen, in dem man flexibel ist und immer wieder mit neuen Herausforderungen konfrontiert wird. So wie ich das einschätze, wäre die Stelle daher genau die richtige für mich. Mit meiner Familie habe ich das auch schon besprochen. Wir sind uns einig, dass es regelmäßig fordernde Phasen im Berufsleben gibt. Deswegen ist es so wichtig, sich gegenseitig zu unterstützen. Auf unser Familienleben wollen wir deshalb nicht verzichten, das ist uns weiterhin sehr wichtig. Ich bin sicher, dass man das in diesem Unternehmen in Einklang bringen kann.“

Speziell die letzten beiden Sätze lassen durchklingen, dass Sie Überstunden nicht ständig machen wollen, sondern nur im Ausnahmefall. Und dass Sie dafür auch einen Ausgleich erwarten, zeitlich oder finanziell. Ihr Gegenüber wird den Wink mit dem Zaunpfahl verstehen.

Klar ist, dass Sie eine differenzierte Antwort geben sollten. Ein stures „Nein“ ist tabu, damit schießen Sie sich ins Aus. Ein naives „Ja, klar“ ist genauso schlecht – aus den oben genannten Gründen.

Bin ich zu Überstunden verpflichtet?

Bin ich zu Ueberstunden verpflichtetGrundsätzlich nein. Der Arbeitgeber hat zwar ein Weisungsrecht. Dieses erlaubt es ihm aber nicht, Überstunden prinzipiell zu verlangen. Mit Ausnahme von Notsituationen, die allerdings sehr selten sind. Mit einer Notsituation ist im Übrigen kein Großauftrag oder ähnliches gemeint, sondern eine unvorhersehbare Katastrophe wie ein Brand.

Darüber hinaus gibt es noch vier Säulen, auf denen Überstunden fußen können:

  • Ihr Arbeitsvertrag enthält eine Klausel, die es dem Arbeitgeber gestattet, Überstunden anzuordnen.
  • Im Unternehmen gibt es eine Betriebsvereinbarung zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat, in der das Thema Überstunden geregelt ist und die Überstunden grundsätzlich möglich macht.
  • Der Tarifvertrag enthält Bestimmungen zu Überstunden, aus denen sich ihre Zulässigkeit ergibt.
  • Sie schließen mit Ihrem Arbeitgeber eine Einzelvereinbarung und einigen sich darauf, im Einzelfall länger zu arbeiten. Die Vereinbarung kann mündlich oder per Handschlag getroffen werden, ein förmlicher Vertrag ist nicht nötig.

Es gibt kein Recht auf Überstunden!

Es gibt kein Recht auf UeberstundenNicht jeder will Überstunden vermeiden. Im Gegenteil, manche gewöhnen sich schnell an sie – und an die zusätzliche Entlohnung. Doch ein Recht auf Überstunden gibt es nicht. Der Arbeitgeber kann sie jederzeit wieder streichen.

[Bildnachweis: Branislav Nenin by Shutterstock.com]