Kreative Bewerbung: 8 Ideen für mehr Pep

Kreative Bewerbung Tipps

Kreativität ist in vielen Fällen Einstellungsvoraussetzung. Die meisten Bewerbungen aber sind gänzlich unkreativ – sie ähneln sich bis aufs Skelett. Doch es geht auch anders. Eine kreative Bewerbung besticht durch knallige Farben, ein innovatives Format oder einen originellen Einleitungssatz. Zu viel Einfallsreichtum kann allerdings auch nach hinten losgehen…

Kreative Bewerbung: Welchen Vorteil hat sie?

Die konventionelle Bewerbung hat einen großen Vorteil: Jeder kennt sie. Jeder kann sie lesen, jeder findet sich in ihr sofort zurecht.

Und nichts hassen Personaler mehr, als Zeit durch Unübersichtlichkeit zu verlieren. Lebenslauf und Anschreiben bieten Übersichtlichkeit. Warum also an einem Erfolgssystem herumexperimentieren? Warum riskieren, dass man als Bewerber abgestraft wird für eine andere Art der Bewerbung?

Dafür gibt es mehrere Gründe. Der erste: Zwar schätzen Personalverantwortliche den Bewerbungsaufbau, so wie er heute ist. Für Bewerber ist das aber nicht nur positiv. Sie haben kaum eine Möglichkeit, sich abzuheben vom Rest der Bewerberschar. Dies ist speziell in großen Unternehmen, die eine Vielzahl an Bewerbungen erhalten, problematisch. Im Zweifel landen Sie ruckzuck in der Ablage P.

Aus Hunderten oder gar Tausenden Bewerbungen werden viele in Windeseile aussortiert – obwohl sie die Formalien berücksichtigt haben. Tatsächlich nehmen sich viele Personalabteilungen nur wenig Zeit für eine Bewerbung – wenn überhaupt.

Angenommen, Sie verfügen über die notwendigen Qualifikationen nur zum Teil, müssen aber davon ausgehen, dass es sehr viele Mitbewerber gibt, die ins Raster passen. Was dann? Wie groß sind Ihre Chancen, mit einer herkömmlichen Bewerbung weiterzukommen? Äußerst gering.

Für Bewerber kann die Schlussfolgerung dann lauten: Auffallen – um fast jeden Preis! Nur so besteht die Chance, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen und die (vermeintlich stärkere) Konkurrenz auszustechen.

Dieses Ziel erreichen Sie nicht im 08/15-Stil, mit einem öden Layout und einem langweiligen Porträtfoto. Eine kreative Bewerbung will einzigartig sein, etwas Besonderes und Neues liefern. Das soll der Empfänger schon auf den ersten Blick sehen und spüren.

Warum es nicht nur um Farben und Formen geht

Womit assoziieren Sie eine kreative Bewerbung? Vermutlich mit einem originellen Design, bunten Farben jenseits der gewohnten Schwarz-Weiß-Optik. Vielleicht kommen noch ein paar ausgefallene Symbole und Formen dazu, die Ihre Bewerbungsunterlagen vom Rest abheben.

Die Assoziation ist nicht falsch. Die Farbgebung ist ein Hebel, an dem Sie drehen können. Aber bei Weitem nicht der einzige. Mit einer kreativen Bewerbung ist nicht zwangsläufig eine künstlerische oder gestalterische gemeint.

Letztlich geht es darum, einen Aha-Effekt beim Empfänger auszulösen. Der Bewerbung einen Überraschungsmoment zu verleihen – auf diese oder jene Art. Auch der Inhalt kann kreativ sein, nicht nur das Äußere. Denn in Wahrheit ähneln sich die meisten Bewerbungsschreiben. Der Bewerber legt ausführlich dar, wie teamfähig, kommunikativ und ambitioniert er doch ist und wie prädestiniert fürs Unternehmen, für das er natürlich wahnsinnig gerne aktiv werden würde. Nicht verkehrt, aber schon tausendmal gelesen!

Mit dem Lebenslauf ist es ganz ähnlich. Viele Lebensläufe ambitionierter Hochschulabsolventen gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Da gibt es hochklassige Praktika, Auslandsaufenthalte, Fremdsprachenkenntnisse und natürlich Top-Noten. Schön! Aber man könnte ja auch mal einen anderen Ansatz wählen, ein Highlight setzen, mit dem der Empfänger nicht gerechnet hat.

Kreative Bewerbung: Für wen sie Sinn macht

Eine kreative Bewerbung bietet sich für Bewerber an, die in kreativen Berufen und Branchen unterwegs sind. So weit, so erwartbar. Aber sie sind nicht die einzigen, die profitieren. Sie müssen kein Designer, Grafiker oder Fotograf sein, um ihren Einfallsreichtum zur Geltung zu bringen.

Kleine Anmerkung: Anders herum ist es natürlich auch für Designer oder Grafiker keineswegs Pflicht, eine kreative Bewerbung einzureichen. Nicht jeder Personaler steht auf so etwas. Viele bevorzugen den übersichtlichen Standardaufbau. Kreativität kann man ja schließlich auch durch Arbeitsproben und Referenzen nachweisen. Aber: Speziell für Berufsanfänger in kreativen Berufen – Azubis zum Beispiel – ist eine außergewöhnliche Bewerbung eine Möglichkeit, um sein kreatives Talent unter Beweis zu stellen.

Es gibt überdies Branchen, die sich auf den ersten Blick für eine kreative Bewerbung nicht anbieten. Dazu zählen vermeintlich seriöse Branchen wie Banken und Versicherungen. Andererseits befindet sich die Finanzbranche im Umbruch, immer mehr hippe Fintech-Startups drängen nach vorne. Vielleicht sind Disruptoren für kreative Bewerbungen ja offener. Sie sehen: Sie müssen und können von Fall zu Fall entscheiden – auch innerhalb einer Branche.

So oder so: Eine kreative Bewerbung sollte niemals Selbstzweck sein. Sie sollten sie nur in Fällen einsetzen, in denen Sie an ihren Erfolg glauben. Und auf die Spitze treiben sollten Sie das Ganze auch nicht. Wenn Infogehalt und Übersicht komplett unter Ihrer Kreativität begraben werden, dürften die Jobchancen nicht unbedingt steigen. Das beschert dem Personalbüro Mehraufwand. Vorstellbar auch, dass der Personaler kurz schmunzeln und Ihre Bewerbung danach entsorgen wird.

Gute Erfolgsaussichten haben Sie, wenn der Spagat gelingt: Informationsgehalt UND Kreativität. Das erste darf nicht unter dem zweiten leiden. Das ist anspruchsvoll und macht Arbeit. Aber es kann sich lohnen.

8 Ideen für eine kreative Bewerbung

Wie setzt man nun seine Ideen für eine kreative Bewerbung um? Was muss man beachten? Karrieresprung hat 8 Tipps für Sie:

  1. Design

    Mit Hilfe eines außergewöhnlichen Designs gelingt Ihnen ein Wow-Effekt. Die Aufmerksamkeit des Empfängers ist Ihnen gewiss – das ist schon mal ein Punkt für Sie. Wenn Sie jetzt noch inhaltlich überzeugen, hat die Maßnahme gewirkt.

    In punkto Design können Sie Ihrer Phantasie im Grunde freien Lauf lassen und Ihre eigenen Ideen verfolgen. Letztlich ist es ja auch so: Mehr als eine Absage kassieren können Sie nicht. Wenn Ihre Design-Ansätze dauerhaft durchrasseln, können Sie immer noch neu justieren.

    Eine Möglichkeit ist es zum Beispiel, die Bewerbung im Querformat zu gestalten. Allein dadurch heben Sie sich vom großen Rest ab. Oder Sie wählen eine Gestaltung, die dem Corporate Design des jeweiligen Unternehmens nahekommt. Damit beweisen Sie zugleich, dass es sich nicht um eine Massenbewerbung handelt. Wichtig!

  2. Startschuss

    Wenn sie kreativ werden wollen, dann lieber nicht auf den letzten Seiten – sondern gleich am Anfang. Nur dann ist Aufmerksamkeit garantiert.

    Das fängt schon beim Einleitungssatz im Anschreiben an. Die Standard-Eröffnung lautet „Hiermit bewerbe ich mich“. So drücken sich die meisten Ihrer Mitbewerber vermutlich auch aus. Sie können aber auch mit einem Einleitungssatz aus der Kategorie ungewöhnlich beginnen.

    Seien Sie mutig und gehen in die Vollen. Andernfalls hätten Sie ja gleich den herkömmlichen Weg der Bewerbung gehen können. Wie wäre es denn mit: „Ich sage es Ihnen ohne lange Umschweife: Wenn Sie die Stelle mit mir besetzen, werden Sie es nicht bereuen. Da bin ich mir sehr sicher.“ Oder so etwas wie: „Leidenschaft. Ambition. Integrität. Damit dürfen Sie im Falle meiner Einstellung rechnen.“

    Gefällt Ihnen nicht? Gut, dann denken Sie sich halt etwas Anderes aus. Sie können sich im ersten Satz übrigens auch auf einen vorherigen Kontakt – ein Telefonat etwa – berufen. So wird die ganze Bewerbung persönlicher.

  3. Mindmap

    In einer Mindmap kann man bildhaft Verknüpfungen herstellen. Die Technik ist in kreativen Berufen beliebt – kann aber auch in der Bewerbung zum Einsatz kommen.

    Wenn Sie eine Mindmap erstellen, in der Ihre Fähigkeiten, Vorbildungen, Interessen usw. miteinander verknüpft sind, ergibt sich ein vollständiges Bild Ihrer Person. Das sieht nicht nur hübsch und kreativ aus, sondern bietet auch einen Mehrwert.

  4. Bewerbungsflyer

    Ein Bewerbungsflyer bietet sich vor allem für den Besuch einer Jobmesse an. Dort können Sie ihn potenziellen Arbeitgebern überreichen. Diese sehen die wichtigsten Infos über Sie auf einen Blick.

    Das kann auch in der Bewerbung ein Mehrwert sein. Sie können Ihren Bewerbungsflyer – sofern überzeugend gemacht – einfach Ihrer Bewerbung beilegen.

  5. Cliffhanger

    Serien-Fans kennen die Wirkung von Cliffhangern nur allzu gut. Damit sind die Szenen am Ende einer Folge gemeint, die die Spannung erhöhen und den Zuschauer dazu bringen sollen, auch die nächste Folge einzuschalten.

    Das Prinzip können Sie in Ihrer Bewerbung anwenden. Beispiel: „In einer früheren Stelle habe ich den Traffic auf der Seite meines Arbeitgebers um 200 Prozent erhöht – innerhalb eines Jahres. Ich bin mir sicher, dass ich das Gleiche bei Ihnen auch schaffe – aber in der Hälfte der Zeit. Wollen Sie wissen wie? In einem persönlichen Gespräch erkläre ich Ihnen gerne, welche Pläne ich sofort umsetzen würde…“

    Zugegeben, das klingt eher nach einem Verkaufspitch als nach einer Bewerbung. Aber interessieren würde Sie es als Arbeitgeber doch auch, was der vollmundige Bewerber in petto hat, nicht wahr?

  6. Referenzen

    In den USA sind Referenzen elementar wichtig. In Deutschland beschränken wir uns meist auf Arbeitszeugnisse. Sie sind die einzigen Bewerbungselemente, die nähere Auskunft über vorherige Stellen und Erfolge geben.

    Dabei müssen Sie es als Bewerber aber nicht belassen. Bitten Sie Ihre ehemaligen Kunden oder Kollegen um einen kurzes Statement. So eines wie: „Ich habe fünf Jahre lang mit Henry zusammengearbeitet und konnte mich immer auf ihn verlassen.“ Oder: „Ronja ist eine erfahrene und äußerst kompetente Projektmanagerin. Ich kann sie nur weiterempfehlen.“

    Die gesammelten Kommentare können Sie dann Ihrer Bewerbung beilegen. Das ist nicht nur kreativ, sondern ein echter Game-Changer. Menschen vertrauen am ehesten anderen Menschen.

  7. Video

    Eine Bewerbung erfolgt längst nicht mehr nur schriftlich. Sie können sich heutzutage auch per Video bewerben, das Sie online versenden. Manche Unternehmen stehen sogar total auf Bewerbungsvideos und fordern sie offensiv ein.

    Aber auch Unternehmen, die bislang noch keine Erfahrung mit diesem Medium hatten, können Sie damit vielleicht überzeugen. Denn ein Bewerbungsvideo unterstreicht Ihre kreative Ader UND Ihre technische Affinität – ein doppelter Punkt für Sie!

    Aber Vorsicht: Ein gutes Bewerbungsvideo zu erstellen ist extrem anspruchsvoll. Blamage-Gefahr. hoch.

    Darüber hinaus ist auch die Bewerbungshomepage eine Option. Eine eigene Webseite, auf der Sie sich präsentieren. Ihre Möglichkeiten, sich in Szene zu setzen, sind riesig.

  8. Arbeitsproben

    In manchen Berufen sind Arbeitsproben die wichtigste Währung. Grafiker, Werbetexter oder Journalisten werden ohne konkrete Nachweise Ihrer Tätigkeit mit ihrer Bewerbung kaum reüssieren.

    Arbeitsproben können Sie aber auch in anderen Berufen beilegen. Warum nicht als Produktmanager eine Seite mit Vorher-Nachher-Bildern gestalten? Vorher sah das Produkt SO aus, nachher SO. Daran lässt sich wunderbar festmachen, was Sie konkret bewirkt haben.

    Sicher, in manchen Berufen sind Arbeitsproben schier unmöglich. In vielen aber können sie durchaus zum Einsatz kommen. Es braucht dafür nur ein ein bisschen Kreativität…

[Bildnachweis: Pressmaster by Shutterstock.com]

Kurzprofil: Wann Bewerber es beilegen sollten

Kurzprofil schreiben Tipps

Das Kurzprofil kommt manchmal wie gerufen. Für die Mitarbeiter in der Personalabteilung kann es eine enorme Arbeitserleichterung sein. Sie finden alle Infos über den Bewerber übersichtlich auf einer knappen Seite verpackt. Das heißt aber nicht, dass jeder Bewerber ein kurzes Profil aus dem Hut zaubern muss. Im Gegenteil, das Extra-Dokument kann auch nach hinten losgehen…

Kurzprofil: Was ist das?

Das Kurzprofil ist eine Zusammenfassung aller wesentlichen Qualifikationen und Kompetenzen eines Bewerbers. Im Englischen spricht man auch von Career Summary oder Profile & Skills oder Skills Summary. Es soll einen kurzen, aber vollständigen Überblick über Ihre Fähigkeiten, Ihre Motivation und Ihre Persönlichkeit abliefern.

Das Format hat seinen Ursprung in den USA. In den Vereinigten Staaten umfasst selbst der Lebenslauf nicht mehr als eine Seite. Das Kurzprofil soll insbesondere die Eignung für die jeweilige Stelle in den Fokus rücken.

Damit haben wir es mit einem Mischwesen aus Anschreiben und Lebenslauf zu tun, das dem Motivationsschreiben respektive der sogenannten Dritten Seite sehr ähnlich ist.

Das sind die wesentlichen Charakteristika:

  • Inhalt: Kontaktdaten, Kernkompetenzen, Branchen- und Führungserfahrungen, berufliche Schwerpunkte, Soft Skills
  • Umfang: Nicht länger als eine DIN-A4-Seite

Das Kurzprofil ist eine Ergänzung für Bewerber. Es ist keinesfalls Pflicht, den Bewerbungsunterlagen eines beizulegen, sondern ein Nice-to-have.

Schlüsselbegriffe verwenden!

Kurzprofil Tipp Schlüsselbegriffe
Das Kurzprofil soll schnell liefern. Darum wird es stichpunktartig verfasst. Keine langen Ausschweifungen, keine großen Erklärungen, keine Bandwurmsätze.

Aber Achtung: Es ist keineswegs einfach, ein Kurzprofil zu verfassen. Im Gegenteil: Alle relevanten Infos kurz und knackig auf eine Seite zu bekommen ist die viel größere Herausforderung. Lange ausformulieren kann jeder, kurz und präzise zusammenfassen nur die wenigsten.

Achten Sie darauf, die Schlüsselbegriffe als Stichworte einzustreuen. Das sind die Worte, auf die der Personalverantwortliche anspringt. Schlüsselbegriffe können etwa Skills sein, die in der Stellenanzeige explizit gefordert wurden.

So ist das Kurzprofil aufgebaut

Der Aufbau sieht folgendermaßen aus. Sie müssen im Übrigen nicht alle Elemente mit aufnehmen, sondern können diejenigen auswählen, die für Ihre Bewerbung Sinn ergeben.

    Kopf

  • Überschrift Kurzprofil
  • Vollständiger Name
  • Kontaktdaten mit Postanschrift, E-Mail-Adresse, Mobilnummer
  • Bewerbungsfoto
  • Aktuelle Berufsbezeichnung
  • Schlüsselkompetenz(en)
  • Hard Skills

  • Ausbildung
  • Qualifikationen
  • Berufliche Schwerpunkte
  • Kernkompetenzen
  • Branchenerfahrungen
  • Soft Skills

  • Führungserfahrung
  • Erfolge
  • Budgetverantwortung
  • Interessen (sofern relevant)

Es gibt Berufsberater, die empfehlen zudem einen kurzen Einleitungstext, den man im Kopf der Seite einbaut – eine Art Mini-Anschreiben inklusive Kurzbeschreibung und Motivation. Tipp: Lassen Sie es sein!

Damit bürden Sie dem Empfänger nur zusätzlichen Ballast auf. Sinn des Kurzprofils ist es ja gerade, Informationen zu kondensieren, die Arbeit des Personalers zu erleichtern. Je präziser der Überblick, desto besser. Zudem hat der Empfänger ja auch noch Anschreiben und Lebenslauf vor sich.

Übrigens: Im Gegensatz zu Lebenslauf und Anschreiben können Sie im Kurzprofil auf Datum und Unterschrift verzichten.

Was kommt hinein?

Es ist zwar verlockend, aber verwenden Sie das Kurzprofil nicht wie eine Massenbewerbung. Nach dem Motto: Einmal erstellt, tausendmal verschickt.

Es geht ja beim Kurzprofil gerade darum, die Eignung für die jeweilige Stelle herauszuarbeiten. Das ist stets individuell – und es bedeutet leider Mehraufwand.

Die Struktur des Kurzprofils bleibt gleichwohl erhalten, die Inhalte selbst aber werden ausgetauscht. Andernfalls würde das Kurzprofil seinen Zweck verfehlen.

Vor der Formulierung können Sie sich diese Fragen stellen:

  • Was steht genau in der Stellenanzeige?
  • Wonach sucht der Personaler für diese Position?
  • Welche Kompetenzen machen mich zu einer guten Besetzung für diese Stelle?
  • Was weiß ich über das Unternehmen?
  • Welchen Mehrwert kann ich dem Unternehmen bieten?

Kurzum: Versetzen Sie sich in die Lage des Personalverantwortlichen. Und schreiben Sie nicht aus einer Ego-Perspektive. Ich, ich, ich. Natürlich geht es in erster Linie um Sie, was Sie können, was Sie mitbringen. Aber das Unternehmen interessiert weniger, was SIE von dem Job haben, sondern was das Unternehmen an Ihnen hat.

Wer mit grandiosen Erfolgen aus der Vergangenheit angibt, sollte auch den Bogen in die Zukunft spannen können. Inwiefern sind diese Erfolge im neuen Unternehmen wiederholbar bzw. wie kann man an sie anknüpfen? Der potenzielle Nutzen für den Arbeitgeber muss erkennbar sein.

Auch Ihre Qualifikationen und Fähigkeiten sind kein Selbstzweck. Sie müssen auf die jeweilige Stelle einzahlen. Wer mit seinen SAP-Kenntnissen prahlt, sollte sicherstellen, dass der Arbeitgeber in spé diese Software auch benutzt. Andernfalls hängt der Skill im luftleeren Raum.

Wer sollte ein Kurzprofil erstellen?

Berufseinsteiger lassen lieber ihre Finger vom Kurzprofil. Sie haben meist schon genug Mühe, den Lebenslauf zu füllen. Es liegt in der Natur der Sache, dass Rookies nur wenige Erfahrungen und Stationen vorweisen können. Somit können sie auch kaum ein überzeugendes Kurzprofil vorlegen.

Fach- und Führungskräften dagegen steht ein Kurzprofil schon besser zu Gesicht. Sie können sich für eine bessere oder andere Position in Szene setzen, indem Sie die relevanten Skills und Stationen einflechten und den Rest weglassen.

Im Übrigen beweist ein starkes Kurzprofil auch die Fähigkeit zur Selbstanalyse und Priorisierung. Die Profilseite eignet sich zum Beispiel auch für die interne Bewerbung.

Betrachten Sie das Kurzprofil als Service. Der Empfänger muss einen Nutzen haben, ansonsten ist es wertlos. Sie schreiben es nicht für sich selbst, sondern für den Personaler. Viele Bewerbungen werden nur kurz überflogen. Da kann ein starkes Kurzprofil haften bleiben – und wertvolle Punkte bringen.

Aus Personalersicht ist ein Kurzprofil wie ein Geschenk des Himmels: Nur die wichtigsten Infos, übersichtlich und hübsch verpackt. Das bringt Ihnen zumindest Sympathiepunkte – und auch die fließen in die Endbewertung ein…

Muster Kurzprofil

Hier finden Sie eine kostenlose Vorlage für ein Kurzprofil – wahlweise als Word-Dokument oder PDF:

Kurzprofil-Vorlage-Muster-Word

Kurzprofil-Vorlage-Muster-PDF

[Bildnachweis: fizkes by Shutterstock.com]

Dritte Seite: Warum Sie eine Chance für Bewerber ist

Dritte Seite Muster Tipps

Die dritte Seite ist eine Chance. Bewerber können dem Unternehmen beweisen, dass sie in der Lage sind, Zusammenhänge zu komprimieren und Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Eine Seite drei gehört wohlgemerkt nicht zum Pflichtprogramm einer Bewerbung. Sie können sie auch einfach weglassen. Manchmal aber macht es sehr viel Sinn, die zusätzliche Arbeit zu investieren…

Dritte Seite: Was ist das?

Die Dritte Seite in der Bewerbung wird auch als Seite drei, Kurzprofil oder Qualifikationsprofil bezeichnet – oder als Motivationsschreiben.

Es handelt sich um eine Seite, die relativ frei gestaltet wird und dem Personaler kurz und präzise die Motivation des Bewerbers nahebringt. Sie ist gewissermaßen ein Appetithappen.

Gut für Bewerber: Sie müssen sich an weit weniger formelle Vorgaben halten als im Lebenslauf oder im Anschreiben. Frei von Rechtschreibfehlern sollte die Dritte Seite gleichwohl sein…

Was steht drauf?

Die Seite 3 fasst die Bewerbung kompakt zusammen. Sie liefert dem Empfänger einen Überblick über…

  • Qualifikationen
  • Kompetenzen
  • Erfahrungen
  • Motivation

…des Bewerbers. Ja, viele Ratgeber halten sie für Ballast und vollkommen überflüssig.

In der Tat ist es so: Je mehr Lesestoff in den Bewerbungsunterlagen enthalten ist, desto unwahrscheinlicher, dass der Personalverantwortliche alles liest. Er überfliegt nur. Die wesentlichen Infos bekommt er ja ohnehin durch den Lebenslauf, das Anschreiben und die Zeugnisse serviert.

Doch genau hier liegt auch das Argument FÜR die dritte Seite. Denn angenommen, der Empfänger hat keine Zeit oder will sie sich nicht nehmen, dann kann eine überzeugende Seite 3 genau der richtige Köder für ihn sein. Motto: „Aha, wie praktisch, die lese ich mir jetzt durch, dann kann kann ich mir den Rest sparen. Genau das, was ich jetzt gerade brauche.“ Und wenn die Dritte Seite dann restlos überzeugt, kann sie ihren Absender in die nächste Runde hieven.

Sie wäre in diesem Szenario also kein zusätzlicher Ballast, sondern eine Alternative zu den restlichen Dokumenten Ihrer Bewerbung. Das macht die Sache aber gleichzeitig so schwer. Sie dürfen keinen wesentliche Info vergessen, müssen die Seite 3 aber auf das Notwendigste kondensieren.

Und reine Dopplungen und Wiederholungen sollten Sie auch vermeiden, denn es kann ja durchaus sein, dass sich der Personaler dann doch alles durchliest. Sieht er dann nahezu identische Anschreiben und Seite 3, könnte er an Ihrer Fähigkeit zu priorisieren zweifeln.

Darum ganz wichtig: Halten Sie sich kurz! Keine Romane, keine langen Erzählungen und Ausschweifungen. Ein paar kurze Sätze müssen es sein – am besten 10 bis 15 Zeilen lang. Und die dritte Seite sollte etwas Neues, einen anderen Blickwinkel zulassen oder sogar unterhalten.

Branche beachten!

Dritte Seite Branche beachtenDer Vorteil der Seite 3: Sie lässt viel Raum für Kreativität. Freiraum, der Ihnen im Lebenslauf und Anschreiben nur sehr eingeschränkt zur Verfügung steht.

So könnte ein Softwareentwickler zum Beispiel eine dritte Seite gestalten, die wie ein Quellcode aussieht (und damit gleichzeitig seine Coding-Skills demonstrieren). Ein Koch entwirft eine Menükarte, ein Mediziner ein Rezept, ein Controller eine Bilanz, ein Ingenieur einen Bauplan und ein Social-Media-Manager eine Twitter-Timeline. Das sind aber nur Anregungen. Sie können natürlich auch einen völlig anderen Stil und eigene Ideen aus Ihrem Hut zaubern.

Hinweis: Sie können, aber Sie MÜSSEN wohlgemerkt nicht kreativ werden. Wenn nämlich die Übersicht unter Ihren Ergüssen leidet, wird sich der Empfänger kaum freuen…

Dritte Seite: Wann macht sie Sinn?

Eine Dritte Seite ergibt Sinn, wenn…

  • Sie Platz für Infos benötigen, für die im Anschreiben kein Platz mehr war.
  • sie zur ausgeschriebenen Stelle passt.
  • sie dazu dient, Ihrem Lebenslauf Kontinuität zu verleihen.

Es gibt auch Gegenargumente. Sie brauchen KEINE Seite 3, wenn…

  • diese lediglich aus Wiederholungen besteht.
  • Sie sicher sind, dass Ihre Bewerbung schon rund und vollständig ist.
  • Sie wissen oder ahnen, dass der Empfänger kritisch darauf reagieren wird.

Sie müssen sich in Ihrer Seite drei nicht nur auf die Qualifikationen oder Kernkompetenzen beschränken. Sie können auch einzelne Skills gezielt highlighten, die Sie für besonders relevant halten. Das können auch Skills jenseits des Mainstreams sein.

Wichtig in jedem Fall: Die Seite drei muss dem Empfänger einen Mehrwert bieten. Denken Sie daran: Sie wollen damit Überzeugungsarbeit leisten, für sich und Ihre Kompetenzen werben. Die dritte Seite ist kein Selbstzweck, sondern ein Instrument zur Durchsetzung Ihrer Ziele.

Hier ist der richtige Platz!

Dritte Seite richtiger PlatzDer Name lässt es vermuten: Die dritte Seite kommt – na klar – an die dritte Stelle Ihrer Bewerbungsunterlagen. Davor kommen nur Anschreiben und Lebenslauf.

Danach erst folgen die Arbeitszeugnisse. Und vergessen Sie nicht, die dritte Seite im Anschreiben unter Anlagen zu erwähnen. Andernfalls könnte der Personaler rätseln, was Sie ihm da eigentlich vorgesetzt haben…

Dritte Seite: So ist sie aufgebaut

Schreiben Sie bitte nicht Seite 3 oder 3. Seite in die Überschrift. Das wirkt wie abgeschrieben. Formulieren Sie stattdessen eine aussagekräftige Headline, die möglichst zum Lesen animiert. Zum Beispiel:

  • Das habe ich zu bieten
  • Das sollten Sie über mich wissen
  • Was für mich spricht
  • Was mir wichtig ist
  • Meine Motivation
  • Warum ich mich bei Ihnen bewerbe
  • Deshalb sollten Sie mich einstellen
  • Das bin ich
  • Was ich bisher erreicht habe
  • Eine kleine Entscheidungshilfe

Sie sehen: Sie können die dritte Seite in eine ganz spezielle Richtung drehen – je nachdem, für welche Überschrift Sie sich entschieden haben.

Wählen Sie also einen Schwerpunkt, der die Seite prägt. Alles Weitere steht ja bereits im Lebenslauf. Es bietet sich natürlich an, einen anderen Schwerpunkt als den aus Ihrem Anschreiben zu wählen. So können Sie mehrere Felder abdecken, die Ihnen oder dem Unternehmen wichtig sind.

An dieser Stelle der Hinweis: Fällt es Ihnen schwer, etwas herauszuarbeiten, dann lassen Sie die Seite 3 lieber von vornherein weg…

In das Kurzprofil gehören außerdem diese Elemente:

  • Absender, Adresse, Telefon, E-Mail
  • Titel
  • Einleitung (kurz!)
  • Qualifikationen, Erfahrungen, Soft Skills, Motivation (in Bulletpoints)
  • Ort, Datum, Unterschrift (handschriftlich)

Warum müssen Kontaktdaten rein? Aus bereits erwähntem Grund: Liest sich der Personaler tatsächlich nur die dritte Seite durch, findet er hier alle Infos, die er braucht – Ihre Nummern und Adressen inklusive.

Die Einleitung wiederum besteht aus drei bis vier Sätzen, mit denen der Bewerber den Personaler von seiner Motivation überzeugt. Danach kann er Qualifikationen und Skills auflisten.

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Das sind meine Stärken:
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Stockholm, 01.01.2020
Gustav Gustafsson

[Bildnachweis: GaudiLab by Shutterstock.com]